• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Richtungsstreit zwischen Elefanten und Giraffen

01.09.2008

BERLIN Die Geschichte der Bundesrepublik begann in einer Art Zoo, auch wenn dieser offiziell Museum heißt, Museum König in Bonn. Dort fand am 1. September 1948, der Festakt für die Konstituierung des Parlamentarischen Rates statt. Perlhühner und ausgestopfte Flamingos, auf einem Bein stehend, präparierte Giraffen, den Hals rot drapiert, bildeten die Umgebung der feierlichen Zeremonie. Ein Zoo voller ausgestopfter Tiere.

65 stimmberechtigte Mitglieder hatte der Parlamentarische Rat. Sie waren vorher von den elf Länderparlamenten der drei Westzonen gewählt worden. Stärkste Fraktionen waren die CDU/CSU und die SPD mit jeweils 27 Vertretern, die FDP stellte deren fünf, KPD, DP (Deutsche Partei) und das Zentrum hatten zwei Abgeordnete in der Versammlung, deren Aufgabe es war, das Grundgesetz auszuarbeiten.

Der 72-jährige Konrad Adenauer wurde Präsident des Rates, während Carlo Schmid (SPD) den Vorsitz im Hauptausschuss übernahm. Die drei Westsektoren Berlins entsandten fünf Abgeordnete, die aber kein Stimmrecht hatten.

Darüber entzündete sich schon in der ersten Sitzung ein Streit. Niemand wurde in Bonn so begeistert begrüßt wie die Vertreter Westberlins. Der hessische Ministerpräsident Christian Stock meinte zum Auftreten der Berliner Vertreter im Rat: Jeder, der die Freiheit der Entscheidung habe, gehe dahin, wo das Volk sich in Freiheit sammle. Dagegen forderte der KPD-Mann Max Reimann, die Deutschen sollten die Verhandlungen der Großmächte nicht durch demonstrative Gesten stören.

Umstritten waren die Finanzverfassung und die Machtverteilung zwischen Bund und Ländern, was Bayern am Ende dazu nutzte, dem Grundgesetz nicht zuzustimmen, weil ihnen das ganze Gebilde zu zentralistisch erschien.

Gleichwohl betonten die Bayern, dass sie an der Geltung des Grundgesetzes nicht rütteln würden. In einer anderen Streitfrage bahnte Theodor Heuss früh den Weg, indem er sich für eine Bundesrepublik als Staatsordnung aussprach und gegen einen Staatenbund.

Von Volksbegehren rieten die Experten ab. Die Fehler der Weimarer Verfassung sollten vermieden werden. Deshalb sollten die Kernbereiche des Grundgesetzes, die Grundrechte, künftig unantastbar sein. Auch wenn immer von den Vätern des Grundgesetzes die Rede ist, dem Gremium gehörten vier Frauen an: Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel.

Carlo Schmid führte die verfassungsrechtlichen Debatten. Adenauer hielt sich hierbei zurück, was Schmid und die SPD zu einer Fehleinschätzung des „Alten“ verleitete. Denn die Repräsentationsaufgabe verschaffte Adenauer schnell öffentliches Ansehen und den Zugang zu den alliierten Machthabern.

Ein wenig verbittert stellte Schmid später fest, dass die Wahl Adenauers „einer der verhängnisvollsten Fehler nach dem Krieg gewesen“ sei. „Wenn die SPD damals die Präsidentenposition bekommen hätte, wäre vielleicht vieles anders gelaufen.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.