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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Rolf Hochhuth: „Elser ein deutscher Wilhelm Tell“

02.11.2009

BERLIN Rolf Hochhuth streitet gern. Es gehört zu seinem Wesen. Er hat mit dem „Stellvertreter“-Drama über die Rolle des Papstes in der Judenverfolgung die 60er-Jahre erschüttert. Er hat 1978 die Diskussion um die Vergangenheit des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger als NS-Richter (Hochhuth: der „furchtbare Jurist“) angefacht. Noch im selben Jahr trat der CDU-Mann Filbinger zurück. Jetzt streitet Hochhuth seit Monaten für einen einzelnen Mann. Für den verlangt er historische Gerechtigkeit – in Form eines Denkmals in Berlin.

Hochhuth wünscht sich als Erinnerung an den kleinen Handwerker von der Schwäbischen Alb eine lebensgroße Bronze. Am besten in der Nähe des ehemaligen „Führerbunkers“ in Berlin. Der Senat hat 2008 Hochhuths Anregung gern aufgenommen. Doch geschehen, so Hochhuth, sei bis heute nichts. „Bis auf eine Absichtsklärung ist gar nichts passiert!“ Doch Hochhuth gibt naturgemäß nicht nach. Vor Tagen wollte er beim Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte vorsprechen. Man hat ihn nicht vorgelassen. „Sie haben in Berlin kein Interesse an diesem NS-Widerstandskämpfer, die Berliner Kulturpolitik ist ohnehin grausig. Alles Banausen“, poltert Hochhuth.

Dabei hatte man Elser schon vorher über Jahrzehnte übersehen. „Noch 1996“, referiert der Dramatiker, der einmal Verlagslektor im Bertelsmann Lesering war, „stand Elser nicht mal im Großen Brockhaus. Es ist unglaublich“. Man habe Elser lange ignoriert, weil er ein Einzelkämpfer gewesen sei, weil er zu keiner politischen Gruppierung gehörte, weil die Nazis selbst das Gerücht aufgebracht hatten, er sei britischer Spion gewesen. Das alles war Elser, die historische Forschung hat es bestätigt, garantiert nicht. Aber eines war Elser in Hochhuths Augen bestimmt: „Ein fabelhafter Mann, ein Nationalheld. Ein deutscher Wilhelm Tell!“

Sechs Jahre vor Graf Stauffenbergs Attentat im Juli 1944 habe der einsame Elser Pläne geschmiedet, Hitler aus pazifistischen Gründen zu töten. Aber Hitler habe eine „tierische Witterung“ gehabt, was Attentate betreffe. Er sei früher aus München aufgebrochen.

Seit 1988 hat der Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim/Brenz, wo Elser zeitweilig arbeitete, eine Elser-Landkarte erstellt. In Königsbronn, wo Elser seine Jugend verbrachte, wurde 1999 eine Erinnerungsstätte eingerichtet und eine Schule nach ihm benannt. In München trägt seit einiger Zeit ein – zugegeben – kleiner Platz seinen Namen. Im Moabiter Spreebogen steht eine Elser-Büste. Mehrere Verfilmungen des Stoffes existieren, und anlässlich seines 100. Geburtstags gab die Deutsche Post 2003 sogar eine Sondermarke heraus.

Für Hochhuth bleibt das zu wenig Würdigung. Es muss mehr sein. Bronze, lebensgroß. „Das Mindeste für einen Helden.“

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