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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Die beiden Männer in weißer Soutane

12.02.2018

Rom Wie wenig ein freiwilliger Amtsverzicht für Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in Betracht kam, belegt ein überlieferter Ausspruch von 1994. Nach einer Operation soll er seinen Chirurgen beschworen haben: „Sie müssen mich heilen, und ich muss schnell gesund werden – denn es gibt keinen Platz für einen emeritierten Papst.“

Szenenwechsel, gut 18 Jahre später: ein Paukenschlag auf Latein von Papst Benedikt XVI: „... dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen“. In Deutschland wird genau zu dieser Stunde Rosenmontag gefeiert. „Na klar! – der Papst ist zurückgetreten...“, Tusch, Gelächter – die naheliegende Reaktion.

In den Nachrichtenredaktionen aber herrscht schon sehr bald Gewissheit: Das ist weder Scherz noch Übung. Schon rollt die Maschinerie von redaktionellen Hinweisen, wie sie für den Fall des Papsttodes vorbereitet und immer neu aktuell gehalten wird. Nur – der Papst ist gar nicht tot, im Gegenteil: Der langjährige US-Vatikanist John Allen, der Benedikt XVI. tags darauf begegnete, berichtet, er sei ihm fast befreit erschienen – „wie jemand, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde“.

Es war ein theologischer Sprengsatz, den Benedikt XVI. an jenem 11. Februar 2013 zündete: der erste freiwillige Amtsverzicht seit 718 Jahren. „Respekt!“, sagten viele angesichts dieses Schrittes eines Menschen – dem intensivste innere Erörterungen vorausgegangen sein dürften. Vom Kreuz steige man nicht herab, moserte dagegen der langjährige Papstsekretär Kardinal Stanislaw Dziwisz. Ja – das hier war ein Einschnitt weit über den Tag hinaus.

Auch das ist, beabsichtigt oder nicht, ein Kapitel des geistlichen Testaments von Joseph Ratzinger geworden. Der „theologische Zauberer“ wurde so am Ende auch zum „Entzauberer des Papstamtes“, wie ein hellsichtiger Kölner analysierte.

Bedeutet das aber nun eine Schwächung oder eine Stärkung des Amtes? Eine Öffnung und neue „Zeitgemäßheit“ – oder einen Präzedenzfall, der die Päpste künftig erpressbar macht? Darüber ist seitdem viel spekuliert worden. Doch der Praxistest steht eigentlich immer noch aus. Denn mit Franziskus regiert ein vitaler, tatendurstiger und mehrheitlich immer noch sehr beliebter Papst.

Benedikt XVI. selbst, so viel steht fest, fiel 2013 die unmenschliche Last eines „Stellvertreters Christi auf Erden“ von den Schultern. Er ist auch fünf Jahre danach noch da, inzwischen fast 91 Jahre alt, geistig rege, wenn auch gesundheitlich eingeschränkt. Benedikt XVI. blieb zwar als Spaziergänger im Vatikan nicht so „unsichtbar für die Welt“, wie er es einst gelobte; gab Interviews und Kommentare, schrieb Gruß- und Vorworte, empfing Eifrige, Ambitionierte und bayerische Fahnenabordnungen. Kirchenpolitische Eklats, wie ihn Historiker durch ein Doppelpapsttum gewärtigten, blieben aber aus.

Für den Beobachter ist es am Ende eine reizvolle Konstellation: der gebrechliche Emeritus am Lehrstuhl Petri, theologischer Grandseigneur und Großvater der Kirche. Und Franziskus, der vitale Hirte, der sein ganzes Priesterleben außerhalb des Porzellanladens Vatikan verbrachte. Man besucht sich, äußert sich freundlich übereinander – während die veröffentlichte Meinung viel daran setzt, zwischen zwei so unterschiedlichen Hirten zu polarisieren. Alles in allem scheint das permanente Zwei-Päpste-Jahr der Kirche bislang zumindest nicht über Gebühr zu schaden. Wohl auch, weil die beiden symbolträchtige oder gar ulkige Szenen konsequent umgangen haben – etwa als bei der Fußball-WM 2014 in einmaliger Konstellation ein deutscher und ein argentinischer Papst gemeinsam das Finale Deutschland gegen Argentinien hätten gucken können.

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