RüSSELSHEIM - Sie dürfte bestehen bleiben, die Skepsis: Das Rettungskonzept für Opel soll mehr Unabhängigkeit vom krisengeschüttelten US-Mutterkonzern General Motors bringen. Aber bietet es auch die Gewähr, dass kein Staatsgeld in die USA abfließt, sollte GM zum Insolvenzfall werden?

Den ganzen Tag über gestern Spekulationen, Planspiele, Mutmaßungen. Zwischen Rüsselsheim, wo der Opel-Aufsichtsrat gestern zusammenkam, um den Rettungsplan zu beraten, und Berlin laufen die Drähte heiß. Abkoppelung vom Mutterkonzern – zögernd und zurückhaltend wurden die Pläne von der Bundesregierung zur Kenntnis genommen. 3,3 Milliarden Euro werden von der öffentlichen Hand benötigt. Eingespart werden sollen gut 1,2 Milliarden Euro – und zwar ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. Lohnverzicht ist im Gespräch, auch freiwillige Abfindungsprogramme. Ein Verkauf von Standorten steht ebenfalls zur Debatte. Zudem soll GM einen milliardenschwere Sacheinlage leisten.

Die Bitte um Staatshilfe – sie war der Bundesregierung und den beteiligten Ländern bereits frühzeitig übermittelt worden. Aufgenommen wurde der Plan in Berlin zunächst ausgesprochen reserviert. „Wir brauchen eine größere Unabhängigkeit von Opel im GM-Konzern, damit Hilfen nicht in den Tiefen und Weiten des Konzerns verschwinden“, ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Sprecher Ulrich Wilhelm mitteilen. Ein deutliches Signal dafür, dass Merkel noch offene Fragen sieht. Erst einmal will man das Konzept genau prüfen.

Das Krisenmanagement in Sachen Opel geht am Wochenende in die nächste Runde. Kein Wort zu Standortschließungen, zu präzisen Angaben zu notwendigem Stellenabbau und Einsparungen – die Präsentation der Pläne gestern nach der Aufsichtsratssitzung in Rüsselsheim ließ tatsächlich eine Menge im Unklaren. „Wir glauben, diese Firma in eine ausgesprochen profitable Zukunft führen zu können“, zeigte sich Carl-Peter Forster, Chef von GM-Europa, überzeugt vom Rettungsplan. Geprobt wurde hier der Schulterschluss zwischen Spitzenmanagern und Belegschaft. Der Auftritt von Forster, Opel Deutschland-Chef Hans Demant und dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats Klaus Franz – wie ein Symbol dafür, dass man gemeinsam an einem Strang ziehen will. Zugleich wird ein Investor gesucht.

Nun geht es erst einmal um Überzeugungsarbeit bei der Bundesregierung. „Dieser Plan muss gemeinsam diskutiert werden“, erklärte Opel-Chef Hans Demant. Am heutigen Sonnabend bereits will Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit den Regierungschefs der „Opel-Länder“ NRW, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Hessen telefonisch konferieren.

Bei Experten im Parlament sind die Vorbehalte groß. Er sei „sehr, sehr skeptisch“, erklärte Otto Fricke (FDP), Chef des Haushaltsausschusses im Bundestag. Er wisse nicht, ob GM nicht doch eines Tages die Reißleine ziehe und Kapital aus den europäischen Konzernteilen abziehe. Die Frage dürfte Knackpunkt werden.