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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Weitere Verzögerungen bei Sanierung absehbar

21.02.2019
Frage: Die Sanierungswerft der „Gorch Fock“ meldet Insolvenz an. Was wird jetzt aus dem maroden Segelschulschiff der Bundeswehr?
Bartels: Das ist ein weiteres Hindernis für die Sanierung. Weitere Verzögerungen sind absehbar. Das Schiff liegt ja bereits seit drei Jahren in der Werft. Die ganze Geschichte wird immer abenteuerlicher, der Reparaturauftrag läuft völlig aus dem Ruder. Und das nicht zum ersten Mal. Es gibt Rechnungshofberichte aus früheren Jahrzehnten. Da geht es um dasselbe Schiff und um dieselbe Werft – eine Werft, die nicht einmal ein eigenes Dock für die Gorch Fock hat, aber immer wieder zum Zuge kommt. Es ist, als ob man Murphys Law erneut beweisen will: Alles, was schiefgehen kann, geht schief. Ob das im Fall der Gorch Fock zufällig so ist oder ob System dahintersteckt, das ist jetzt aufzuklären.
Frage: Das Verteidigungsministerium sieht in der Insolvenz der Werft Chance und Risiko zugleich, will die Verträge für die Sanierung noch einmal auf den Prüfstand stellen. Teilen Sie diese Einschätzung?
Bartels: Die „Chance“ sollte jetzt aber bitte nicht darin bestehen, alles noch komplizierter zu machen! Es würde schon helfen, manchmal weniger naiv an solche Auftragsvergaben heranzugehen. Das Verteidigungsministerium steht erst einmal in der Pflicht, die korrekte Verwendung der Steuergelder für die Sanierung genau zu prüfen und eindeutig nachzuweisen. Im Übrigen warten Stammbesatzung und Offiziersanwärter darauf, dass sie zur See fahren können und wieder Ausbildung möglich ist.
Frage: Wäre es jetzt nicht Zeit für einen Sanierungsstopp und einen Neubau?
Bartels: So oder so, wir brauchen eine klare Entscheidung. Entweder stellt man die Gorch Fock fertig, ob nun auf dieser Werft oder auf einer anderen. Oder man baut oder kauft ein neues Schiff. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt sollte in der Lage sein, seinem Marinenachwuchs ein Segelschulschiff zur Verfügung zu stellen.
Frage: Aber die Traditionspflege kommt die Steuerzahler teuer zu stehen. Die Kosten für die Sanierung explodieren?
Bartels: Es geht nicht um Tradition allein. Eine solche klassische Ausbildung, die ein elementares Gespür für die maritimen Naturgewalten vermittelt, scheint mir auch in Zeiten von Satellitennavigation und Digitalisierung durchaus sinnvoll. Wenn die Marine daran festhalten will, unterstütze ich das.
Frage: Als Krisenmanagerin hat die Verteidigungsministerin nicht überzeugt. Was erwarten Sie von der Ministerin?
Bartels: Die Gorch Fock ist nicht das größte Problem, das die Bundeswehr bewegt. Die Ministerin muss an vielen Stellen Dinge verändern. Aber richtig ist: Die Gorch Fock steht sinnbildlich für viele Managementprobleme, unter denen die Bundeswehr leidet. Ich nenne als Hauptaspekt Verantwortungsdiffusion: Zu viele entscheiden mit, keiner ist verantwortlich. Alle machen jeden Tag zu 100 Prozent das Richtige, am Ende stimmt aber das Ergebnis nicht, weil die Regeln nicht passen. So wird beinahe alles, was mit Rüstung zu tun hat, zu teuer, dauert zu lange und funktioniert am Ende nicht so gut wie erhofft. Das treibt die Bundeswehr um.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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