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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

„Schlächter vom Balkan“ straffrei

09.07.2010
NWZonline.de NWZonline 2015-07-28T12:28:40Z 280 158

15 Jahre Srebrenica:
„Schlächter vom Balkan“ straffrei

DEN HAAG Ratko Mladic, Militärkommandeur der bosnischen Serben im Bürgerkrieg und als „Schlächter vom Balkan“ zu traurigem Ruhm gelangt, ist auch 15 Jahre nach dem Völkermord in Srebrenica straffrei. Er wird in Serbien von nicht näher bezeichneten Mächtigen beschützt, sagt die Anklage des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. Wir wissen nicht, ob er in unserem Land ist, antwortet die serbische Regierung.

Allen heimischen Regierungskritikern ist klar, dass der 67-jährige Mladic niemals ausgeliefert werden wird. Denn dieser Militärchef könnte klar und deutlich nachweisen, dass die serbische Regierung in Belgrad hinter den Verbrechen mit Zehntausenden Toten im bosnischen Bürgerkrieg (1992 bis 1995) stand. „Mladic war zu jedem Zeitpunkt ein gern gesehener Gast“ des serbischen Nationalisten Slobodan Milosevic, schrieb das Magazin „Vreme“ wiederholt. Milosevic, der ohne Urteil im Haager Tribunal 2006 an einem Herzinfarkt gestorben ist, gilt für viele als eigentlicher Planer und Auftraggeber der serbischen Verbrechen in Bosnien.

Der serbische Analyst Dusan Bogdanovic schlägt in die gleiche Kerbe. „Mladic wurde ein Star, weil er alle Befehle (aus Belgrad) ohne zu fragen und ohne Verzögerung ausgeführt hat“, sagt er. Der frühere Diplomat arbeitet heute beim Juristen-Komitee für Menschenrechte in Belgrad. „Er hat Srebrenica gemacht, hat direkt die Exekution von 8000 Menschen angeordnet und ist gut bekannt dafür, alle Befehle aus Belgrad akribisch ausgeführt zu haben“.

Während Mladics Auslieferung also in den Sternen steht, steht in Radovan Karadzic der zweite mutmaßliche Hauptverantwortliche vor Gericht – nicht nur für das Massaker, sondern auch für andere Verbrechen während des Krieges. Viermal pro Woche erscheint der frühere bosnische Serbenführer jeweils für fünf bis sechs Stunden vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY). Ein selbstbewusster Herr mit gewelltem schlohweißem Haar, stets elegant in dunklem Anzug. Radovan Karadzic scheint als sein eigener Verteidiger die Gelassenheit in Person zu sein.

Dabei tritt der studierte Psychiater, begabte Poet und einstige Präsident der bosnischen Serbenrepublik wie ein Geschichtsprofessor auf, der eher unwillig die Aufgabe übernommen hat, einer ignoranten UN-Justiz zu erklären, was sich in Bosnien-Herzegowina zwischen 1992 und 1995 abgespielt hat. Und wer die Schuld an Verbrechen trägt, die auch er durchaus für bedauernswert hält. Die bosnischen Muslime nämlich, die NATO, die USA, in gewisser Weise auch Deutschland.

„Alles, was wir Serben getan haben, war, uns zu verteidigen“, hatte Karadzic im März zum Prozessauftakt 2009 erklärt, den er immer wieder um Monate mit Verfahrensanträgen hinausgezögert hatte. Und zwar in einem „gerechten und heiligen Krieg“. Der Völkermord von Srebrenica? Karadzic bezeichnet ihn abwechselnd als „Mythos“ oder „Dichtung“.

„Alles Lüge“ könnte denn auch das Motto der Verteidigungslinie des 65-Jährigen lauten. Umgesetzt wird sie bei jedem noch so kleinen Detail des Zehntausende Seiten umfassenden Beweismaterials zur Anklage wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in acht Fällen. Kaum ein Zeuge oder Sachverständiger der Anklage, zu dem Karadzic nicht Anträge stellt, die darauf abzielen, deren Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen. Das wird noch jahrelang so gehen. Tribunal-Präsident Patrick Robinson rechnet mit einem Urteil gegen Ende 2012. Einschließlich der zu erwartenden Berufung dürfte das Verfahren gegen Radovan Karadzic für das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erst im Frühjahr 2014 endgültig abgeschlossen sein.

(1992-1995) gipfeln unter anderem die Spannungen zwischen bosnischen Serben und Bosniaken (bosnische Muslime). Während letztere einen unabhängigen Staat anstreben, wollen die bosnischen Serben in der damaligen Föderation Jugoslawien bleiben.

sterben. Ethnische Säuberungen gibt es auf beiden Seiten.