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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

G7-Gipfel: Schwitzen für eine neue Weltordnung

05.06.2015

München Die Band Rainer von Vielen gibt den Takt vor: „Empört Euch! Denn diese Welt, sie gehört Euch.“ Bei der ersten großen Protestdemonstration gegen den G7-Gipfel ist das eine Parole, bei der Tausende begeistert mitsingen. Laut, bunt, fröhlich und engagiert sind die knapp 35 000 Menschen, die in München ihrem Unmut über Globalisierung, Kapitalismus, Großkonzerne oder das geplante Freihandelsabkommen TTIP Luft machen. Und über das von der Öffentlichkeit fast vollständig abgeschirmte zweitägige Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben wichtiger Industrienationen im rund 100 Kilometer entfernten Schloss Elmau, das am kommenden Sonntag startet.

Wut ja, Gewalt nein

Doch bei aller Wut – sie bleiben friedlich. „Die Gewalt geht von denen aus, die ein ganzes Areal absperren, die Demonstrationsfreiheit einschränken“, ruft einer der Organisatoren in die Menge.

Unter sengender Sonne drängen sich die Menschen am Stachus, viele in fantasievollen Verkleidungen. Grün-gelbe Maiskolben leiden unter manipulierten Genen, Bienen sinken zu Boden, benebelt von tödlichen Insektengiften.

„Aus Solidarität mit den Tieren, die ein schweres Leben haben werden aufgrund der hohen Pestizidbelastung“, erklärt Ute, die als Schmetterling eigens aus Wien angereist ist. Eine Nürnbergerin hält tapfer im plastikbraunen Hasen-Ganzkörperfell aus, inklusive Ohrenkapuze und Riesenzähnen. Sie verurteilt Genmanipulationen und starke Düngung.

Andere kämpfen für politische Anliegen, gegen Kapitalismus, für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik oder gegen die ungleiche Verteilung von Geld. Während Politiker wie der Bundestagsfraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, oder der Linken-Politiker Klaus Ernst auf dem Podium vor allem gegen TTIP und andere Handelsabkommen wettern, versucht sich eine Gruppe Äthiopier Gehör zu verschaffen. Ihr Anliegen: „Keine Diktatoren“, skandieren sie lautstark.

Polizei in Kampfmontur

Dazwischen Menschen in bunten Ponchos. Eine Gruppe fällt besonders auf: Sie haben sich als Sensenmänner verkleidet und eine Hälfte ihrer Gesichter als Totenköpfe bemalt. „Ernte statt Ende“, so ihr Schlachtruf, mit dem sie für die Rechte von Kleinbauern eintreten und gegen Großplantagen und mächtige Exportunternehmen protestieren.

Doch vielfältige Anliegen hin oder her – unter der Hitze haben alle zu leiden. Das trifft auch die Polizisten, die in schwarzer Kampfmontur den Demonstrationsweg säumen. Für sie gibt es Versorgungsstände mit Wasserflaschen. Und auch die Demonstranten werden nicht vergessen. Gegen Ende des Demonstrationsweges dreht die Feuerwehr einen Hydranten auf. Klares Wasser sprudelt in einem kühlen Strahl nach oben – und sofort bildet sich eine Traube an durstigen Menschen.

So einträchtig ist die Demonstration, dass sogar die Polizei davon angetan ist. „Es ist ein schöner, bunter Zug. Es ist alles friedlich. Das ist schön zu sehen“, lobt der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Wolfgang Wenger. Keine Spur von randalierenden Autonomen. Ein friedliches Anti-G7-Fest sei auch für die Organisatoren Ehrensache, sagt einer von ihnen und fügt ironisch hinzu: „Wir wollen ja gern eine Urkunde haben von der Polizei, wie toll wir das gemacht haben.“ Ob es so friedlich bleibt, werden die kommenden Tage zeigen.

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