• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Bundeswehr: Soldaten kaufen Schutzwesten selbst

25.01.2012

BERLIN Schlechte Ausrüstung plus schlechte Motivation plus schlechte Stimmung – gleich Bundeswehr: der Wehrbericht des Beauftragten des Bundestags listet mal wieder eine ganze Reihe von Mängeln in der Bundeswehr auf, aber nicht zuletzt Frauen haben zugleich einen „rücksichtsvolleren Ton“ in die Truppe gebracht. Rund 18 000 Frauen dienen derzeit in den Streitkräften (Anteil: 8,6 Prozent). Zielmarke: 15 Prozent. Denn die Soldatinnen „haben sich bewährt“, urteilt Wehrbeauftragter Hellmut Königshaus (FDP). Folge: Frauen werden künftig auch im harten „Kommando Spezialkräfte“ eingesetzt.

Rüde Umgangsformen

Doch rüde Umgangsformen bleiben ein Beschwerde-Klassiker im Kummerkasten des Wehrbeauftragten ebenso wie „herabwürdigende Aufnahmerituale“. Ein Bootsmann beleidigt Soldaten als „Schmierwürste, Schwachköpfe und Nichts-Könner“. Ein Ausbilder brüllt die Untergebenen mit „Mongos“, „Versager“ und „Krüppel“ an: „Ich reiße Ihnen den Kopf ab“. Verbal-Injurien aus der Tier- und Pflanzenwelt („Pflaume“, „hohle Frucht“, „Mastschweine“) landeten bei Königshaus ebenso auf dem Tisch wie das Zerdeppern einer Weinflasche auf dem Kopf eines Kameraden in alkoholisiertem Zustand. In einem anderen Fall fällt ein Soldat sturzbetrunken in einen Stausee und muss gerettet werden, weil bewegungsunfähig.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Der Schwerpunkt der Soldaten-Beschwerden liegt dennoch bei Ausrüstung und internationalen Einsätzen wie in Afghanistan mit insgesamt etwa 7000 Soldaten weltweit. Sieben Soldaten wurden im Jahr 2011 getötet, 63 teils schwer verletzt und 922 Bundeswehr-Angehörige kehrten traumatisiert aus den verschiedenen Auslands-Einsätzen zurück. Ein Höchststand, der sich auch im Privaten niederschlägt: die Trennungs- und Scheidungsrate liegt in manchen Bereichen „bis zu 80 Prozent“.

„Hohes Risiko“

Soldaten sind in Afghanistan „nach wie vor einem hohen Risiko ausgesetzt“, betont Königshaus. Dazu gehören mehrtägige Operationen und wochenlange Aufenthalte in ungeschützten Feldlagern ebenso wie Gefechte trotz unzureichender Ausbildung wegen fehlender Munition. Der FDP-Verteidigungsexperte spricht sogar von einem „gravierenden Mangel an Munition für die Einsatzvorbereitung“. Das führe zu Einschränkungen bei der Luftwaffe und „Engpassmanagement“ im Heer. Königshaus: „In diesem Zusammenhang ist zu konstatieren, dass es im Jahr 2011 – wie auch schon im verangegangenen Berichtszeitraum – im Einsatz zu einer Häufung von Unfällen mit Waffen, unbeabsichtigten Schussabgaben und Fällen von spielerischem Umgang mit Waffen kam. Gerade auch vor diesem Hintergrund sind Defizite in der Waffenausbildung nicht hinnehmbar.“

„Sorge“ bereiten dem Wehrbeauftragten auch die „erheblichen Verzögerungen“ bei „dringend benötigtem Großgerät“ wie den Transportflieger A 400M, den Hubschraubern NH 90 und Tiger sowie den Schützenpanzer Puma.

Manche Soldaten greifen sogar ins eigene Portemonnaie für die eigene Einsatzausrüstung in Afghanistan – und zahlen dafür „teilweise 1000 Euro und deutlich mehr“, kritisiert Königshaus fehlende Bundeswehr-Ausrüstung wie Einsatzhosen, Kampfjacken, Combat Shirts und Tragewesten. Selbst Schutzwesten werden vielfach privat gekauft, denn die Schutzweste „Infanterie“ erweist sich oft als untauglich. Sie sind groß und schwer und schränken die Bewegungsfreiheit der Soldaten erheblich ein. Wenn dann noch sechs statt der vorgesehenen vier Monate Stehzeiten im Ausland dazu kommen, dann leidet die Moral der Truppe schon erheblich, bemängelt der Wehrbeauftragte.

Offene Fragen

Große Probleme sieht der Wehrbeauftragte auch beim geplanten Abzug aus Afghanistan bis Ende 2014. Bisher stellten die USA Rettungshubschrauber, um Verwundete zu bergen. Was passiert, wenn diese Hubschrauber nicht mehr zur Verfügung stehen, fragt sich Königshaus besorgt. Und: der Abzug wird über den Norden erfolgen, dort, wo die Bundeswehr stationiert ist. Steigen die Risiken noch mehr? Auch nach diesem Wehrbericht bleiben viele offene Fragen.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
Rufen Sie mich an:
0511/1612315
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.