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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Spannend, rigoros und irritierend

18.11.2011

Autor dieses Beitrages ist Hermann Lamberty. Der Redakteur dieser Zeitung sieht in Heinrich von Kleist einen genialen Unglücklichen, dessen Ende gewalttätig sein musste.

In seinem köstlichen Text über „die schreckliche deutsche Sprache“ hat der amerikanische Schriftsteller Mark Twain einst die Kompliziertheit derselben beklagt: Die Worte so lang, geradezu „alphabetische Prozessionen“, wie Twain meinte. Und dann die Sätze – endlos und so verschachtelt. Natürlich konnte Twain nicht wissen, dass es hierzulande mal einen Mann namens Müntefering geben würde, dessen Redekunst völlig ohne Nebensätze auskam.

Es ist wiederum nicht bekannt, ob Twain Heinrich von Kleist gelesen hat, aber es könnte gut sein, denn der ist ja der ungekrönte Meister des über die Buchseiten mäandernden Schachtelsatzes.

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Die wilde Wucht der wüsten Wort- und Satzkaskaden hat zumindest Kleists Zeitgenossen verstört. Goethe etwa konnte mit Realismus und Rigorosität des lange Verkannten offenbar nichts anfangen. Dass Kleist seiner Zeit weit voraus war, ist heute beinahe unbestritten.

Wer sich einlässt auf Erzählungen wie „Das Erdbeben in Chili“, auf „Die Marquise von O...“, auf „Michael Kohlhaas“, der findet darin brillante Konstruktion, vollendete Schönheit, Spannung und, auch das, irritierende Gewalt.

Im Gegensatz zu Goethe, der sein ganzes langes Leben lang produktiv war, schrieb Kleist nur lächerliche neun Jahre, zwischen 1802 und 1811. Der am Ende Verzweifelte empfand wohl, auch wegen der fehlenden Anerkennung, dass er irgendwie aus der Zeit gefallen war und „mir auf Erden nicht zu helfen war“. Wenige Stunden nachdem er dies notiert hatte, erschoss der 34-Jährige erst seine beste Freundin und dann sich selbst. Die Gnade einer späteren Geburt – sagen wir 1970 – hätte ihn zum Superstar werden lassen können.

In dem renitenten Berserker Michael Kohlhaas hat Kleist eine Figur erfunden, die sich, es gab dafür ein reales Vorbild, gegen erlittenes Unrecht auflehnt und dabei jedes Maß verliert.

2010 hat die Gesellschaft für deutsche Sprache den „Wutbürger“ zum Wort des Jahres gewählt. Literarisch verewigt hat ihn allerdings Kleist bereits gut 200 Jahre vorher.

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