[SPITZMARKE] - BERLIN/AFP - „Die größte Herausforderung ist, die Hauptstadt und den Rest des Landes vor einer terroristischen Gräueltat zu schützen“, sagte Ian Blair im vergangenen Oktober. Blair war kurz zuvor zum neuen Chef von Scotland Yard und damit zugleich zum Polizeichef von London ernannt worden. Doch er wusste bereits, dass dies keine leichte Aufgabe werden würde. „Es ist völlig unvermeidlich, dass Terroristen einen Anschlag versuchen werden“, fügte er hinzu. Seit Donnerstag ist das Unvermeidliche geschehen – und Scotland Yard konnte es nicht verhindern.

Nicht nur Blair rechnete damit, dass Terroristen versuchen würden, die britische Hauptstadt anzugreifen. Geheimdienste und Terrorexperten warnten wiederholt davor, dass trotz Monaten relativer Ruhe die Islamisten weiter schlagkräftig seien und Europa ein neuer Anschlag drohe. Sie sind sich auch in einem weiteren Punkt einig: Zwar ist das Netzwerk von El Kaida geschwächt, der einstige Anführer Osama Bin Laden kaum noch aktiv. Islamistische Terroristen aber agieren immer eigenständiger. „Der Charakter der Bedrohung verändert sich“, sagte der Leiter der Abteilung Internationaler Terrorismus beim Bundesnachrichtendienst (BND), Michael Hildebrandt, vor kurzem auf dem Europäischen Polizeikongress in Berlin. Ein Beispiel für eine solche isolierte Zelle sei die Hofstad-Gruppe in den Niederlanden, die hinter dem Mord an dem Regisseur Theo van Gogh stecken soll.

Auch der britische Geheimdienst MI 5 urteilte in einer seiner letzten Analysen, die Bedrohung von El Kaida und verwandter Gruppen werde „noch für einige Zeit bestehen bleiben“.

„Die Dynamik des Heiligen Krieges ist ungebrochen“, sagt auch BND-Mann Hildebrandt. „Auch Deutschland gehört in das Bedrohungsspektrum.“