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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Start-Probleme bei der neuen Radio-Generation

01.09.2011

RüSSELSHEIM Radio hören auf langen Autobahnstrecken, das bedeutet: Sender wechseln. Denn selten reicht eine UKW-Frequenz weiter als 100 Kilometer. Und auch, wenn moderne Radios automatisch nach alternativen Frequenzen suchen – irgendwann ist die Grenze des Empfangsbereichs eines Senders erreicht.

Das könnte sich jetzt langsam ändern: Am 1. August ist in Deutschland der neue Sendestandard DAB+ gestartet. Die Übertragung erfolgt im UKW-Wellenbereich, allerdings digital statt analog. So passen mehrere Sender auf eine Frequenz, durch die zusätzlichen Kapazitäten können Programme bundesweit ausgestrahlt werden. Zum Start sind 14 Kanäle via DAB+ zu hören, hinzu kommen weitere regional unterschiedliche Angebote.

Allerdings stört das neue Digitalradio derzeit nicht nur bei vielen Fernsehzuschauern den ARD-Empfang, sondern auch den Funk von Polizei und Feuerwehr. „Das ist leider so“, bestätigte jetzt eine Sprecherin des Landesamtes für zentrale polizeiliche Dienste in Duisburg Medienberichte.

Die Bundesnetzagentur hat deshalb den Betreiber des digitalen Radionetzes Media Broadcast aufgefordert, den Sender Dortmund bis zum kommenden Sonntag abzuschalten, um den Funkverkehr der Polizei während des dort geplanten Neonazi-Aufmarsches nicht zu stören.

38 Prozent versorgt

Der Vorteil von DAB+ für den Nutzer: Durch die digitale Übertragung gehören verrauschte Sender der Vergangenheit an. Ist das Signal empfangbar, ist der Sound glasklar. Wird die Übertragung zu schlecht, dann bricht der Empfang jedoch einfach ab. Und dass das passiert, ist leider so unwahrscheinlich nicht: „Zurzeit werden nur 38 Prozent der Fläche in Deutschland sicher mit DAB+ versorgt“, sagt Klaus Schunk, Verantwortlicher für den Bereich Radio beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). „Ein durchgehender Empfang wird vor allem entlang der Autobahnen möglich sein, jenseits dessen gibt es erhebliche Versorgungslücken.“ Um das zu kompensieren, sind die DAB+-Empfänger auf dem Markt in aller Regel gleichzeitig konventionelle UKW-Radios, sogenannte Tandem-Empfänger.

Verlässt der Fahrer mit seinem Wagen das Verbreitungsgebiet des digitalen Radios, kann das Gerät auf analogen Empfang umschalten. Doch viele der DAB+-Stationen sind per analogem UKW gar nicht oder nur in bestimmten Regionen zu empfangen.

Wer trotzdem den digitalen Standard für seinen Neuwagen bestellen will, ist bei der Fahrzeugwahl derzeit eingeschränkt. Denn bisher bieten nur wenige Hersteller, zum Beispiel Mercedes und BMW, DAB+-fähige Radios ab Werk an. Der VPRT hat dafür Aufpreise jenseits der 600 Euro beobachtet. Wer nachrüsten will, wird etwa bei JVC, Dual oder Kenwood fündig, die Preise liegen zwischen 130 und 200 Euro plus Einbau.

Allerdings sollten sich Radiohörer, die das Werksgerät ihres Autos ersetzen wollen, vorher genau erkundigen, wie aufwendig die Umrüstung ist und welche Konsequenzen sie hat. Denn gerade bei neueren Fahrzeugen ist es mit dem einfachen Austausch der Geräte oft nicht mehr getan.

„Radios sind immer stärker in die Fahrzeugelektronik integriert“, sagt Franz-Peter Bernhard, Projekt-Ingenieur für die Lautsprecher- und Soundsysteme europäischer Opel- und General-Motors-Fahrzeuge. Auch Freisprecheinrichtungen für Mobiltelefone oder Navigationssysteme sind bei neuen Autos oft eng mit dem Radio verbunden.

Hoher Aufwand

Der Aufwand, der getrieben wird, um den Wagen zum Hifi-Vehikel zu machen, hat sich stark vergrößert. „Unser Ansatz ist immer die möglichst naturgetreue Reproduktion der Musik. Und der Klang sollte auf allen Plätzen gleich gut sein“, sagt Jens Groth, Marketing-Manager bei Bose.

Was den digitalen Radioempfang angeht, gäbe es da für die Zukunft eventuell noch eine andere Option. Denn schon sind die ersten Lösungen für mobiles Internet im Auto verfügbar.

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