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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

US-V: Strahlende Hillary wieder im Rennen

10.01.2008

WASHINGTON /MANCHESTER Die Nachrufe waren schon geschrieben. Doch als Hillary Clinton um kurz nach 23 Uhr am Dienstagabend die Bühne einer Turnhalle in Manchester (New Hampshire) betritt, ist die schmerzhafte Niederlage von Iowa wie weggeblasen.

Mit genau 7667 Stimmen Vorsprung hat die Demokratin ihren ärgsten Widersacher Barack Obama denkbar knapp in die Schranken verwiesen – und Amerika bestaunt fasziniert die Wiederbelebung einer Politikerin, deren Kampagne von den Demoskopen noch vor wenigen Stunden für tot erklärt worden war. Doch Hillary Clinton gelingt – wie ihrem Ehemann Bill im Jahr 1992 – ein spektakuläres, ja sensationelles Comeback.

Und damit auch jeder begreift, dass sie immer noch die Augen fest auf den Wiedereinzug ins Weiße Haus gerichtet hat, greifen Hillarys Redenschreiber diesmal tief in die Kiste mit der Aufschrift „Staatsmännische Prosa“. „Lasst uns Amerika das Comeback geben, das New Hampshire mir gegeben hat“, erklärt sie mit neuem Selbstbewusstsein bei der Siegesrede.

Dann gibt es mehrere Umarmungen für Tochter Chelsea, und wieder jubeln die hinter ihr für die Kameras postierten Fans. War es in Iowa noch eine Seniorenriege mit Ex-Außenministerin Madeleine Albright und dem pensionierten General Wesley Clark, so darf an diesem Abend nur in der Nähe Hillarys jubeln, wer unter 30 ist – bestes Indiz eines radikalen Strategiewechsels, den die Berater der Kandidatin in nächtlichen Krisensitzungen ausgetüftelt hatten.

Dazu gehört: Auch optisch weg von allem, was das Establishment in Washington repräsentieren könnte – und her mit dem, was den 46-jährigen Obama in Iowa so stark machte: Emotionen und die optische Verknüpfung mit Jugendhaftigkeit.

Auch Bill Clinton steht deshalb diesmal nur am Rand. Hinzu kommt, dass Hillary Clinton in den letzten 48 Stunden massiver als je zuvor die getragenen, oft faktenarmen Reden ihres Konkurrenten zerpflückt und immer wieder gefragt hatte: „Wo sind die Inhalte? Wofür steht er?“ Und die 60-Jährige erinnerte die Wähler daran: „Ich habe die Erfahrung, vom ersten Tag an führen zu können.“

Und auch dass die Bewerberin mit den tiefen Augenringen bei einem Café-Auftritt am Montag plötzlich mit den Tränen zu kämpfen schien, was ihr Eisblock-Image sogleich schmelzen ließ, könnte nach Ansicht von Beobachtern zum unerwarteten Aufschwung in New Hampshire beigetragen haben – ungeachtet der Tatsache, dass sich Amerika weiter darüber die Köpfe heiß diskutiert, ob der Emotionsausbruch echt oder nur gespielt war, um sie menschlicher und mit einem sanfteren Image erscheinen zu lassen. Denn plötzlich gaben wieder die Frauen – und zwar 47 Prozent der Wählerinnen – Hillary Clinton und nicht Obama ihre Stimme. „Sie lebt“, kommentierte deshalb die „Washington Post“ trocken die Wende.

„Wir sollten niemals einen Kandidaten leichtfertig auszählen“, mahnt Reporter-Urgestein Carl Bernstein, an diesem Abend die Kollegen und die Öffentlichkeit.

Ein Satz, der den Schmerz im Lager von Barack Obama lindern dürfte und der auch für den Republikaner John McCain gilt – den ältesten Bewerber im Feld der Bush-Partei, der in New Hampshire deutlich den vielfachen Millionär Mitt Romney und Iowa-Sieger Mike Huckabee in die Schranken verweist und sich mit dem Sieg die Chance auf eine Nominierung offenhält. Die Fans von Barack Obama zeigen sich am Wahlabend in einer Sporthalle in Nashua zwar in gedrückter Stimmung und jubeln eher verhalten, doch der Optimismus scheint ungebrochen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass heute 54 Prozent der Demokraten nicht für Hillary gestimmt haben“, lautet einer der Trost-Slogans. Obama beharrt in seiner offenbar schnell umgeschriebenen Rede, die noch vor Stunden den zweiten Sieg zelebrieren sollte, trotzig auf der Annahme, dass die Clintons weiter für alte Zeiten und somit Rückschritt stünden. Und erklärt erneut: „Wir sind bereit, das Land in eine neue Richtung zu führen.“

Zwei Verschiedene Vorwahlverfahren

Die „Primary“ ist in den meisten Bundesstaaten üblich. Hier gehen die Wähler in ein Wahllokal. Bei einer „offenen“ Vorwahl können Mitglieder unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit abstimmen. Sie könnten also auch einen Kandidaten der Gegenpartei wählen, der ihnen chancenlos erscheint. Bei den „geschlossenen“

Vorwahlen ist dies in der Regel nicht erlaubt.

Beim „Caucus“, der oft mit einem deutschen Parteitag zur Kandidatenaufstellung verglichen wird, stimmen eingetragene Parteimitglieder jeweils in ihren Orten über die Kandidaten ab. Sie treffen sich dazu in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Ämtern, aber auch in Restaurants oder Privathäusern. Dort diskutieren sie und stimmen anschließend schriftlich oder offen ab.

Nur wer unter 30 Jahre alt ist, darf noch in

Hillary Clintons Nähe jubeln.

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