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SPD-Urgestein Erhard Eppler ist tot
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Aktualisiert vor 31 Minuten.

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SPD-Urgestein Erhard Eppler ist tot

NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Der Kampf gegen den Kunststoff

17.01.2018

Straßburg Gegen Plastiktüten geht die Europäische Union bereits vor. Nun folgt der Startschuss zur Vermeidung von Kunststoffmüll. „Wenn wir weiter so viel Plastik produzieren und wegwerfen wie bisher, schwimmt in einigen Jahrzehnten mehr Müll in den Meeren als Fische.“ Mit diesem dramatischen Appell hat die Brüsseler EU-Kommission am Dienstag in Straßburg ihre neue Strategie zu Vermeidung von Plastikbergen vorgestellt. Die Ziele sind ehrgeizig.

Bis 2030 sollen sämtliche Plastikverpackungen wiederverwertbar sein. Mit diesem Ziel will die EU-Kommission zur Entlastung der Meere beitragen und die Verbraucher schützen. „Wir atmen Plastik, wir essen und trinken Plastik“, sagte der Vizepräsident der Behörde, Frans Timmermans, am Dienstag in Straßburg. Und er veranschaulichte das Problem mit einem überaus eindrucksvollen Bild: „Wenn Ihr Kind einen Strohhalm zum Trinken benutzt, wird er gerade mal fünf Minuten gebraucht. Aber es dauert 500 Jahre, bis das Material sich zersetzt hat.“

Der Strohhalm ist für Anti-Plastik-Aktivisten weltweit ein Symbol für unnötigen Einmalkonsum mit drastischen ökologischen Folgen. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums in Berlin gehören Strohhalme und Flaschendeckel neben Zigarettenstummeln, Lebensmittelverpackungen und Plastikflaschen zu dem am häufigsten gefundenen Meeresmüll, nicht nur an der Ostsee. Doch auch Einwegbesteck oder Deckel für Kaffeebecher sollen von neuen Regeln betroffen sein, die die EU-Kommission noch in diesem Jahr vorschlagen will.

Tatsächlich erscheinen die Zahlen dramatisch. 37,4 Kilo Verpackungsmüll aus Plastik produziert jeder Bundesbürger pro Jahr. Trotz intensiver Bemühungen sind die Recyclingquoten bescheiden – sie liegen bei nicht einmal 30 Prozent. Der Müllberg dürfte in diesem Jahr sogar noch höher ausfallen, weil China seine bisherigen Aufkäufe von Abfall aus anderen Ländern Ende 2017 eingestellt hat. Allein Deutschland führte bisher dorthin rund 560 000 Tonnen Plastikabfälle pro Jahr aus, die nun anderweitig recycelt oder verbrannt werden müssen.

Vermeiden oder wiederverwenden

Vermeiden, eindämmen, verhindern, wiederverwenden lautet deshalb die große Linie der Kommissionsstrategie. In nur zwölf Jahren sollen alle Kunststoffe wiederverwertbar sein. An den großen Häfen müssen Abfall-Sammelstellen für Schiffe geschaffen werden, um die Entsorgung von Kunststoff-Müll auf hoher See zu stoppen.

An Land soll die sortenreine Sammlung von Verpackungsplastik gefördert werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um beispielsweise Getränkeflaschen wieder aufzuarbeiten und entsprechend den Hygiene-Anforderungen zu nutzen. So will die EU die Recyclingquoten verbessern. Bisher wird Plastikmüll häufig in einem Container zusammengefasst. Darüber hinaus spricht sich die EU-Kommission vermehrt für Pfandsysteme aus (in Deutschland das Duale System), weil das vom Verbraucher als Belohnung empfunden wird.

Ein weiterer Schwerpunkt soll der Kampf gegen Mikroplastik-Partikel von einer Größe unter fünf Millimetern sein. Solche Teilchen werden gern in der Kosmetik-Industrie benutzt – beispielsweise für Peeling-Präparate, Waschmittel oder Zahncremes. Aber sie gehören auch zu den besonderen Sorgenkindern des Umweltschutzes. Denn die Partikel wandern durch alle Filter ins Wasser, von dort aus gelangen sie ins Meer und werden dann von Fischen gefressen. Auf diesem Weg landen sie am Ende wieder auf dem Teller des Verbrauchers. Forscher konnten Reste davon in Lungen und in der Blutbahn nachweisen.

Jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Plastikmüll

„Die Kunststoffmengen sind viel zu groß, als dass wir das tatenlos weiterlaufen lassen können“, sagte Patrick Hasenkamp vom Verband Kommunaler Unternehmen. 25 Millionen Tonnen Kunststoffmüll fallen jährlich in der Europäischen Union an, der Anteil des Plastiks im Müll, der an Stränden gesammelt wird, liegt bei 85 Prozent.

Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission und zuständig für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen, rief am Dienstag die europäischen Unternehmen dazu auf, „eine weltweite Führungsrolle bei neuen Technologien und Materialien zu übernehmen“. Denn: „Die Verbraucher werden sich in Zukunft bewusst im Sinne der Umwelt entscheiden. Das ist ein wirklicher Gewinn für alle Seiten.“

Brüssel will bei notwendigen Investitionen beispielsweise für dringend benötige Recyclinganlagen mit einigen hundert Millionen Euro helfen. Ob der Aufwand am Ende auch die Produkte verteuert, sei noch nicht klar, hieß es.

Plastiktüten werden weniger

Vergangene Woche hatte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger auch eine Plastiksteuer ins Gespräch gebracht, die nun geprüft werden soll. In der Kommissionsstrategie taucht sie aber nicht auf. „Wie bei Abgaben auf Plastiktüten ist die Absicht, dass die Leute das nicht mehr verwenden. In einer perfekten Welt würden die Einnahmen also sehr schnell sinken“, sagte Timmermans.

Die EU-Richtlinie gegen Einmalplastiktüten hat übrigens tatsächlich etwas gebracht. Seit die Tüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden, sinkt der Verbrauch. 2016 wurden laut Handelsverband HDE in Deutschland ein Drittel weniger verwendet als ein Jahr zuvor. Es waren allerdings immer noch 3,7 Milliarden Stück.

Grafik zum Thema als PDF.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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