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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Deutscher Herbst: Fragen zum Suizid unbeantwortet

09.10.2017

Stuttgart „Sie sind tot. Die Bestien sind tot.“ So wie der Wehrpflichtige Siegfried B. aus Wilhelmshaven haben am 18. Oktober 1977 wahrscheinlich viele reagiert, als sie am Morgen die Nachricht vom Tod der drei RAF-Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe erfuhren. Andere fragten sich schnell, wie es sein kann, dass sich Gefangene in der Haft erschießen können. Fragen über Fragen, und viele sind 40 Jahre nach den Geschehnissen von 1977 immer noch unbeantwortet oder nur unzureichend beantwortet.

Der Reihe nach. Schon um 00.38 Uhr am 18. Oktober 1977 hatte der Deutschlandfunk sein Programm unterbrochen. „Hier ist der Deutschlandfunk. Die von Terroristen in in einer Lufthansa-Boeing entführten 86 Geiseln sind alle glücklich befreit worden.“ In Stuttgart-Stammheim hörten die Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe die Nachricht ebenfalls. Raspe hatte in seiner Zelle einen kleinen UKW-Empfänger. Und die Zellen in Stammheim waren über den Anstaltshörfunk miteinander verdrahtet. Wie man nach dem Tod der drei RAF-Gefangenen herausfand, hatten sie die abgeklemmten Radioleitung für ihre interne Kommunikation genutzt. Als Verstärker dienten Plattenspieler. So schildert es RAF-Spezialist Stefan Aust. Ein anderer Experte, Butz Peters, hält eine Kommunikation der Gefangenen durch Zurufen auch trotz der akustischen Dämmmaßnahmen für möglich. Zwischen Baaders und Ensslins Zelle lag nur ein 4,6 Meter breiter Gang. „Fast jede Nacht gab es Unterhaltungen“, berichtet ein Justizinspektor dem Autor Peters (Peters: 1977. RAF gegen Bundesrepublik“, Droemer)

Als am Morgen des 18. Oktober die Zelle von Jan-Carl Raspe aufgeschlossen wird, wird der Gefangene mit einer schweren Schussverletzung am Kopf gefunden. Raspe verstirbt kurz darauf im Krankenhaus. Auch Baader wird mit einer Schussverletzung gefunden, er ist bereits tot. Er hatte zunächst zwei Schüsse im Stehen abgefeuert, um einen Kampf vorzutäuschen. Gu­drun Ensslin wird erhängt in ihrer Zelle aufgefunden. Sie hatte sich mit Lautsprecherkabel am Fenstergitter aufgehängt. Die vierte Gefangene im Stockwerk ist Irmgard Möller. Sie weist schwere Stichverletzungen in der Brust auf. Mit einem Messer hatte sie sich viermal in die Brust gestochen. Sie überlebt. Nachher stellt sie das Geschehen als Tötungsdelikt dar. Später wird Susanne Albrecht aussagen (sie stieg aus der RAF aus und tauchte von 1980 bis 1990 in der DDR unter), dass Brigitte Mohnhaupt ihr von der Tötungsabsicht der Gefangenen berichtet habe. Sie würden sich selbst töten, falls die Geiselnahme scheitere.

Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) empfand die Selbsttötung der Gefangenen kurz nach der erfolgreichen Geiselbefreiung als „Tritt in den Unterleib“. In der Tat – der Selbstmord wird in Teilen der Linken zur staatlichen Tötungsaktion umgedeutet. Insofern war die Absicht der Gefangenen, mit ihrem Selbstmord die Politik der RAF voranzutreiben, nicht ohne Erfolg. Die Zweifel werden durch die Nachricht genährt, dass Schüsse die Todesursache bei Baader und Raspe waren. Waffen im sichersten Gefängnis der Republik?

Die Anwälte Arndt Müller und Armin Newerla haben Waffen in Handakten in das Gefängnis geschmuggelt, das berichtete später der Kanzlei-Mitarbeiter und RAF-Helfer Volker Speitel. Sie haben sowohl Kassiber als auch eine Kamera sowie Sprengstoff und Waffen nach Stammheim geschmuggelt.

Versteckt waren die illegalen Gegenstände in kleinen Hohlräumen hinter den Fußleisten, unter einem Waschbecken, in einem Plattenspieler (Baader bewahrte dort eine Pistole auf). Die Werkzeuge für die Verstecke hatten sich die Gefangenen „beschafft“, im Sommer wurde im siebten Stock, wo die Gefangenen untergebracht waren, umgebaut. Zwei Wochen lang standen dort Farbe, Gips, Füllmasse und Werkzeug herum.

Die Leichen der Stammheimer Gefangenen wurden nach Tübingen gebracht und dort in Gegenwart ausländischer Mediziner obduziert. Alles deutete auf Selbsttötung hin.

Blieb noch die Personalie Schleyer. Der Entführte befand sich seit dem 5. September in den Händen der Geiselnehmer. Mit ihm hatte eigentlich die Freipressung der Gefangenen in Stammheim erreicht werden sollen. „Bei so vielen toten Genossen können wir ihn nicht am Leben lassen“, sagte später der Terrorist Peter-Jürgen Boock, der 1980 aus der RAF ausstieg. In der Nähe der belgisch-französischen Grenze wurde Schleyer erschossen. Wer ihn erschoss, weiß man auch heute noch nicht. Es deutet darauf hin, dass es sich bei den Tätern um Stefan Wisniewski und Rolf Heißler handelte (Aussage Boock). Es könnten aber auch Wisniewski und Willy Peter Stoll (Aussage Susanne Albrecht) gewesen sein, in einer dritten Version Wisniewski und Rolf Clemens Wagner. Schleyers Leichnam wurde in Mühlhausen/Elsass gefunden. Nächste Folge: Teil 12 – Die Bilanz.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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