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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

KYOTO-PROTOKOLL: Temperaturanstieg lässt sich nicht mehr verhindern

17.02.2005

BREMERHAVEN BREMERHAVEN - In den nächsten 100 Jahren wird weltweit der Wasserspiegel um 35 Zentimeter ansteigen. Das erwartet Peter Lemke, Klimaforscher am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und derzeit Vorsitzender des Weltklimaforschungsprogramms.

Frage: Herr Lemke, das Kyoto-Protokoll ist in Kraft. Ist der Jubel darüber angemessen, schließlich geht es um die Reduzierung der Treibhausgase bis 2012 um gerade einmal fünf Prozent?

Lemke: Der Jubel ist verständlich, denn schließlich ist zum ersten Mal überhaupt eine solche Regelung zustande gekommen. Dass fünf Prozent nicht ausreichen, weiß jeder.

Frage: Wie hoch müsste die Marke sein, um den Klimawandel aufzuhalten?

Lemke: Das Bezeichnende am Klimasystem ist seine Trägheit. Selbst wenn wir sofort aufhören würden, CO2 in die Atmosphäre zu pusten, würde die Temperatur immer noch steigen. Und das bleibt nicht ohne Folgen.

Frage: Worauf müssen wir uns einstellen?

Lemke: Nach neuesten Berechnungen könnte sich der Meeresspiegel innerhalb der nächsten 100 Jahre im Durchschnitt um 35 Zentimeter anheben. Die Temperatur wird sich dann global zwischen zwei und fünf Grad erhöhen.

Frage: Welche Konsequenzen hat das?

Lemke: Vermutlich werden extreme Klimaereignisse, Stürme, Überflutungen, Hitzewellen und Dürren, häufiger auftreten. Das Schlimme daran ist, dass sich diejenigen Länder, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, nicht wehren können. Bangladesch etwa wird noch häufiger von Überschwemmungen heimgesucht. Und die ohnehin von Wassermangel geplagten Länder der Sahelzone in Afrika müssen sich auf noch längere Dürrezeiten einstellen.

Frage: Deutschland sieht sich selbst als Klimaschutz-Musterschüler, zu Recht?

Lemke: Wir haben Glück gehabt, dass die Berechnungen zur CO2-Reduzierung auf der Basis der Zahlen von 1990 gemacht werden. Damals waren große Teile der alten DDR-Industrie noch in Betrieb. Zusammen mit den Osthaushalten wurden Unmengen von Energie verbraucht. Die 19-prozentige Einsparung, die bislang erreicht wurde, ist nur dem Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie und der Modernisierung der Energieversorgung in Ostdeutschland zu verdanken.

Frage: Bis zum Ziel von 21 Prozent fehlen nur noch zwei Prozentpunkte . . .

Lemke: Umweltminister Trittin denkt daran, dass über den Emissionshandel zu machen, indem wir anderen Leuten ihre Emissionsguthaben abkaufen. Das halte ich für keine gute Politik.

Frage: Kann Klimaschutz ohne die USA funktionieren?

Lemke: Natürlich nicht, die USA haben weltweit den größten CO2-Ausstoß. Aber es geht nicht nur um Amerika. China mit seiner boomenden Volkswirtschaft ist ein Energiefresser. Selbst bei sofortiger Anordnung von Sparmaßnahmen würde der Verbrauch wegen des starken Wachstums steigen. Diese Länder müssen wir ins Boot holen.

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