• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Truppenbesuch mit Show-Effekt

14.12.2010

MASAR-I-SCHARIF Roter Teppich, sie im schicken Abendkleid, er im dunklen Anzug oder Smoking: So kannte man die Guttenbergs bisher von ihren gemeinsamen öffentlichen Auftritten auf Bällen, Benefizgalas oder bei Festspielen. Sie können aber auch anders. Über die Verladerampe eines Bundeswehr-Transportflugzeugs betritt das „Glamourpaar der deutschen Politik“ am Montagvormittag das Rollfeld von Masar-i-Scharif, dem Hauptstandort der deutschen Truppen in Nordafghanistan. Beide tragen Splitterschutzwesten. Ohne die transportiert die Bundeswehr in Afghanistan auch Minister und ihre Frauen nicht auf dem Luftweg.

Neben Stephanie zu Guttenberg zählte auch Fernsehmoderator Johannes B. Kerner zur Delegation. Kerner zeichnete am Standort Masar-i-Scharif für Sat 1 eine Talkshow mit dem Minister und Soldaten auf, die am Donnerstag gezeigt werden soll. Kritik für den Besuch gab es von SPD und Linke. Beide Parteien sprachen von einer Weihnachtsinszenierung. Auch in der Koalition wurde hinter vorgehaltener Hand Unmut über den Besuch geäußert.

Kein spaßiger Ausflug

Von Masar-i-Scharif ging es weiter nach Kundus, der gefährlichsten Provinz in Nordafghanistan. Die Guttenbergs steigen in unterschiedliche Hubschrauber – aus Sicherheitsgründen, um die Wahrscheinlichkeit relativ gering zu halten, dass bei einem Angriff beide gleichzeitig zu Schaden kommen. Es ist schon häufiger vorgekommen, dass Hubschrauber der Bundeswehr mit Handfeuerwaffen beschossen wurden.

„Das ist kein spaßiger Ausflug“, sagt Stephanie zu Guttenberg nach ihrer Ankunft in Kundus. Mulmig wurde ihr beim einstündigen Flug trotzdem nicht. „Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig am falschen Platz.“ Der Verteidigungsminister ist nicht der erste deutsche Politiker, der seine Frau mit ins Einsatzgebiet nimmt. Im Frühjahr war der damalige Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau Eva Luise dort.

Bundespräsidenten werden auf Auslandsreisen meistens von ihren Frauen begleitet, bei einem Verteidigungsminister ist das die Ausnahme. Die Köhlers machten nur einen kurzen Abstecher ins Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Die Guttenbergs blieben den ganzen Tag und besuchten die Soldaten auch an dem Standort, an dem sie regelmäßig im Gefecht stehen.

Standpauke für Ehemann

Stephanie zu Guttenberg hatte die Reisen ihres Mannes ins Einsatzgebiet zuvor nur aus der Ferne verfolgt. Einmal gab es richtig Ärger: Als sich „KT“ – wie Guttenberg von Freunden genannt wird – im Juli spontan entschloss, auf einer Afghanistan-Reise die sicheren Mauern der Feldlager zu verlassen und einen Abstecher ins Kampfgebiet zu machen, erfuhr seine Frau aus dem Radio davon. Der Besuch an der Front wurde wegen eines schweren Gefechts in letzter Minute abgesagt.

Zu Hause wurde der Minister trotzdem mit einer Standpauke empfangen. Als er den Ausflug bei seiner nächsten Afghanistan-Reise nachholte, war Stephanie darüber im Bilde und wurde per SMS auf dem Laufenden gehalten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Stephanie zu Guttenberg längst vorgenommen, ihren Mann irgendwann einmal nach Afghanistan zu begleiten. Zu Weihnachten sah das Paar den richtigen Zeitpunkt gekommen. „Meine Motivation ist, dass ich immer einmal als Frau, Ehefrau und Mutter hier runter kommen wollte und mir ein Bild von der Lage machen wollte“, sagt die 34-Jährige zu ihren Beweggründen.

Überzeugungsarbeit

Bei seinen acht und zehn Jahre alten Töchtern musste das Paar aber zunächst Überzeugungsarbeit leisten. Schon sechsmal mussten sie ihren Vater innerhalb eines Jahres alleine in den Einsatz verabschieden, nun zum ersten Mal beide Eltern. „Begeistert waren sie nicht“, sagt Stephanie.

Turbulente Jahre

Die Guttenbergs haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Karl-Theodor ist seit Monaten in den Umfragen der beliebteste Politiker und wurde bereits als Kanzlerkandidat und künftiger CSU-Chef gehandelt. Stephanie katapultierte sich mit ihrem Buch zum Thema Kindesmissbrauch und kernigen Zitaten zu Lady Gaga und Co. in die Schlagzeilen. Allerdings bekam sie auch die Schattenseite der öffentlichen Aufmerksamkeit zu spüren. Für ihre Moderation der RTL2-Sendung „Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder“ musste sie heftige Kritik einstecken.

Seit Monaten werden die Guttenbergs von den Medien gefeiert – als die „Superguttenbergs“ („Bild am Sonntag“) die „fränkischen Kennedys“ („Die Welt“) oder das „Duracell-Paar der deutschen Politik“ („Spiegel Online“). „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo setzte den Lobeshymnen buchstäblich die Krone auf, als er in einer Talkshow sagte, die Guttenbergs befriedigten „die Sehnsucht der Deutschen nach einer Königsfamilie“.

Besuch nicht ohne Gefahren

Karl-Theodor zu Guttenberg saß damals neben ihm und wirkte etwas konsterniert. Die Jubelarien sind dem Minister höchst suspekt. Vehement hat er in den vergangenen Monaten versucht, der Überhöhung seiner Person entgegenzuwirken. Er weiß nur zu gut, dass ein solcher Hype zum falschen Zeitpunkt in der Politik nach hinten losgehen kann. Die Risikofreude haben sich die Guttenbergs aber nicht nehmen lassen. Auch der Afghanistan-Besuch ist nicht ohne Gefahren. Das gilt sowohl für die angespannte Sicherheitslage vor Ort als auch für die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.