VECHTA - Der Skandal um dioxinbelastetes Tierfutter weitet sich immer mehr aus, die Folgen treffen die Agrarbranche in Deutschland schwer. Allein in Niedersachsen werden 1000 Betriebe vorsorglich gesperrt. Rund zwei Dutzend Mischfutterhersteller haben laut Lieferlisten möglicherweise mit dem Gift verunreinigtes Fett erhalten. Diese Unternehmen haben dann Tierfutter auch an niedersächsische Landwirte geliefert. Betroffen sind nicht nur Farmen mit Legehennen, sondern auch Schweine- und Putenzüchter. Eier und Fleisch dürfen die Höfe nicht verlassen, bis Tests belegen, dass die Produkte unbedenklich sind. Landkreis-Veterinäre müssen die Sperrung der betroffenen Betriebe in Niedersachsen in die Wege leiten.

Im Landkreis Vechta sind 31 Legehennenbetriebe betroffen. „Diese dürfen keine Eier mehr vermarkten“, sagte Landkreissprecher Gert Kühling. Keine Probleme hat die „Deutsche Frühstücksei“ (Neuenkirchen-Vörden), die das Futter in Eigenregie produziert.

Im Landkreis Oldenburg mit drei gesperrten Putenmastbetrieben und einem Legehennenstall fanden erste Probeschlachtungen statt. „Das Ergebnis liegt in zwei Wochen vor“, erklärte Kreisveterinär Dr. Carsten Görner.

Empört zeigt sich im Landkreis Cloppenburg, wo sieben Legehennen- und 23 Putenmastbetriebe betroffen sind, der Vorsitzende vom Kreislandvolkverband, Huberts Berges: „An den Kosten dürfen die ohne eigenes Verschulden in Not geratenen Erzeuger nicht sitzen bleiben.“ In zwei Betrieben wurden in Eiern erhöhte Dioxinwerte festgestellt. Diese Eier werden unschädlich beseitigt.

Besser sieht die Lage im Landkreis Friesland aus, der vom „Dioxin-Skandal nicht betroffen ist“, wie Veterinär Dr. Andreas Graf bestätigte. Das Gleiche gelte für den Landkreis Wesermarsch und die Stadt Wilhelmshaven. Lediglich im Landkreis Wittmund stand ein Legehennenbetrieb in Verdacht, aber es konnte Entwarnung gegeben werden. Auch im Landkreis Aurich steht ein Legehennenbetrieb unter Verdacht.

Vorsorglich gesperrt wurde ein landwirtschaftlicher Betrieb im Ammerland. Kreislandvolk-Vorsitzender Manfred Gerken forderte ein hartes Vorgehen gegen die Verursacher des verseuchten Tierfutters. Zugleich sieht Gerken aber auch einen positiven Aspekt: „Ein Lebensmittel-Skandal wie dieser zeigt, dass unser Kontroll-System greift.“

Dennoch raten Niedersachsens Verbraucherschützer derzeit vom Eierkauf ab. „Die Menschen sollten auf Eier verzichten, bis nähere Informationen vorliegen“, betonte die Lebensmittelexpertin der Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen, Hedi Grunewald. Damit Kunden belastete Ware erkennen können, fordert die Verbraucherzentrale von den Verbraucherministerien der Länder, die Betriebsnummern der betroffenen Betriebe zu nennen. „Nach Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch wäre eine Veröffentlichung möglich, wenn ein hinreichender Verdacht vorliegt“, sagte Grunewald.

Keine Verbraucherprobleme sieht der Leiter für Futtermittel beim Bundesinstitut für Risikobewertung, Helmut Schafft. „Es besteht keine Gesundheitsgefahr beim Eierverzehr. Es deutet vieles darauf hin, dass hier keine exorbitant hohen Konzentrationen in den Lebensmitteln gefunden werden.“ Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnte vor Panikreaktionen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)
Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede