Vechta/Osnabrück - Der tausendfache Missbrauch, der jetzt bei dem Gipfel im Vatikan thematisiert wird, hat auch Katholiken im Oldenburger Land und Ostfriesland erschüttert. Die Studie der Deutschen Bischofskonferenz, die 2018 vorgestellt wurde, brachte mehrere Hundert Vergehen aus dem Nordwesten aus den vergangenen 70 Jahren ans Tageslicht.
So sind im Bistum Münster 450 Opfer und 138 Beschuldigte in dem Zeitraum aktenkundig geworden. Im niedersächsischen Teil des Bistums, dem Offizialat Vechta, wurden 34 mutmaßliche Täter ermittelt, die Zahl der Opfer für den Teilbereich des Bistums wurde nicht separat erhoben. Im Bistum Osnabrück wurden laut Studie insgesamt 35 Beschuldigte und 68 Opfer ermittelt.
Doch auch nach Veröffentlichung der Studie werden neue Fälle bekannt. Ein Fall aus dem Bistum Osnabrück sorgt derzeit für Schlagzeilen: Der heute 85-jährige Priester Hermann H. soll im Emsland und dem nördlichen Landkreis Osnabrück in den 80er und 90er Jahren mindestens 16 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Seit seinem Ruhestand 1997 lebt er in Hagen. Auch dort war er entgegen den Auflagen des Bischofs in der Jugendarbeit tätig gewesen.
Nachdem sich bis zum Jahreswechsel zehn mutmaßliche Opfer gemeldet hatten, seien bis heute sechs weitere hinzugekommen, sagte ein Bistumssprecher am Montag. Die beiden Kontaktpersonen für Missbrauchsopfer gingen aber davon aus, dass es weitere Opfer gebe, betonte der Sprecher: „Die Dunkelziffer dürfte im zweistelligen Bereich liegen.“
Laut Bistum sind alle bis jetzt bekannten Fälle strafrechtlich verjährt. Bischof Franz Josef Bode wolle jedoch, dass die Glaubenskongregation in Rom ein kirchenrechtliches Verfahren einleite. Im äußersten Falle drohe dem Priester dann die Entlassung aus dem Klerikerstand.
Eine erste Anfrage diesbezüglich habe Rom nach den zuerst bekanntgewordenen drei Fällen Anfang Dezember bereits abgelehnt. Grund dafür war das hohe Alter und der schlechte Gesundheitszustand von Hermann H.. Bode habe nun in dieser Sache erneut nach Rom geschrieben, jedoch noch keine Rückmeldung erhalten, teilte der Sprecher mit.
