Oldenburg/Emden/Hannover - Die Zuspitzung der Entwicklung um Russland und die Ukraine versetzt auch viele Unternehmen im Nordwesten in große Sorge – im Oldenburger Land mehr, in Ostfriesland eher etwas weniger.

„Der anhaltende Ukraine-Konflikt hat die Geschäftsbeziehungen der in Russland engagierten Unternehmen aus dem Oldenburger Land – insbesondere aus dem Maschinen- und Anlagenbau – bereits stark belastet“, sagt Felix Jahn. Er ist Geschäftsführer bei der Oldenburgischen IHK und auch auf Niedersachsen-Ebene für den Bereich Internationales zuständig.

In der Ernährungsindustrie seien vor allem Fleisch und Fleischwaren betroffen, ebenso wie Milch- und Käseproduzenten und Saat- und Pflanzengut-Hersteller. „Für einige Unternehmen wird es eng“, sagte Jahn dieser Zeitung. „Besonders schlimm“ sei, dass der russische Markt „an China verloren wird“.

Durch die massive Abwertung des Rubels seien bereits zuvor viele Aufträge verloren gegangen, Investitionen wurden gestoppt. „Die nun erlassenen Wirtschaftssanktionen werden die bereits schwierige Situation nochmals verschärfen“, sagt Jahn. Bei einzelnen Unternehmen sei die Lage im Hinblick auf den russischen Markt „sehr kritisch“. Jahn fordert: „Die Politik muss endlich einen Waffenstillstand erreichen und alle Konfliktparteien an einen Tisch bringen.“

Beim niedersächsischen Landvolk läuten ebenfalls die Alarmglocken. Hier hat sich das Import-Verbot von Schweinefleisch schon seit April erheblich ausgewirkt. Landvolk-Sprecherin Gabi von der Brelie wünscht sich, „dass die Bundesregierung uns stärker unterstützen würde, um neue Märkte für deutsche Bauern zu erschließen“.

„Unmittelbar sind wir nicht betroffen“, sagt Dr. Lars Schildwach, Sprecher der Molkerei Ammerland (Wiefelstede), und verweist auf das Importverbot, das Russland bereits 2013 gegen Milchprodukte aus Niedersachsen verhängt hat. „Mittelbar“ rechnet er aber schon mit Auswirkungen auf die Molkerei, weil es wegen des kurzfristig verhängten Boykotts zu „Verwerfungen“ am globalen Milchmarkt kommen werde. Der Preisdruck dürfte zunehmen.

Relativ entspannt ist man in Ostfriesland. Bei der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (Emden) hieß es: „Da Ostfriesland weniger international geprägt ist, als unsere Nachbarregionen, spüren wir von der russischen Handelspolitik derzeit relativ wenig. Lediglich einzelne Betriebe sind von der Krise betroffen.“

Besonders stark ist der Nordwesten in Russland und der Ukraine mit Agrar-Ausrüstungen im Geschäft. Beim Weltmarktführer für Kartoffelerntemaschinen Grimme in Damme (Kreis Vechta) will man „die Auswirkungen zunächst noch sondieren“.

Die Amazonen-Werke (Hasbergen-Gaste) mit einem Werk in Hude teilten mit: „Aufgrund der anhaltenden Unruhen in der Ukraine ist der Verkauf unserer Maschinen auf einem niedrigeren Niveau als im Vorjahr. In Russland, dem weitaus umsatzstärkeren Markt, ist der volatile Wechselkurs die größte Herausforderung, die wir aber auch in den Vorjahren erfolgreich gemeistert haben. Die Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen können wir im Augenblick für unsere Unternehmensgruppe noch nicht abschätzen.“

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft