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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

GLADBECK: Viele Versäumnisse beim Geiseldrama

14.08.2008

GLADBECK /OLDENBURG Es war vor 20 Jahren eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte: Nach einem missglückten Banküberfall in Gladbeck (NRW) hielten die Gewohnheitsverbrecher Hans-Jürgen Rösner, Dieter Degowski und ihre Komplizin Marion Löblich vom 16. bis zum 18. August 1988 ganz Deutschland in Atem. Zentrale Kapitel des Dramas spielten in der Region Weser-Ems, wo ein Krisenstab in Oldenburg den Polizeieinsatz koordinierte.

Die Flucht der Gangster quer durch das Land eskalierte immer mehr und kostete zwei junge Geiseln und einen Polizisten das Leben. Einige Journalisten verloren auf der Jagd nach der Story jede professionelle Hemmung. Erst nach 54 Stunden endete die wilde Fahrt auf der Autobahn bei Bad Honnef im Kugelhagel der Polizei.

Wegen gemeinschaftlichen Menschenraubs, Geiselnahme mit Todesfolge und Mordes (Degowski) beziehungsweise versuchten Mordes (Rösner) verurteilte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Essen nach 19 Monaten Prozess 1991 die Haupttäter zu lebenslanger Haft. Löblich bekam neun Jahre Gefängnis, die sie verbüßt hat. Für Rösner wurde nachträgliche Sicherungsverwahrung angeordnet. Frühestens 2016 kann eine vorzeitige Freilassung Rösners beantragt werden. Für Degowski, der bis mindestens 2013 sitzen muss, läuft ein Gnadengesuch – mit äußerst geringen Chancen.

Das spektakuläre Verbrechen war von vielen Versäumnissen begleitet – Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) trat wegen der polizeilichen Fehler zurück. Als Degowski, damals 32 Jahre alt, und der 31-jährige Rösner am 16. August frühmorgens mit zwei Schusswaffen und reichlich Munition in eine Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck eindrangen, schickte die Polizei keinen Zivil- sondern einen Streifenwagen zur Rückseite des Gebäudes. Die Einsatzleiter dachten, es gebe dort keine Fenster – ein Irrtum.

Die Gangster, die eigentlich nur auf den Kassierer warten wollen, bemerken die Polizei, nehmen zwei Geiseln, fordern einen Fluchtwagen und 400 000, nach anderen Berichten 300 000 DM. Nach der Geldübergabe fahren sie am Abend mit ihren Geiseln im Fluchtwagen los. Noch in Gladbeck steigt Rösners Freundin Löblich zu. Über die Autobahn fahren sie in Richtung Norden. Ab Osnabrück werden sie von der Polizei Weser-Ems begleitet. In der Wesermarsch heftet sich ein vom Oldenburger Krisenstab eingesetztes Mobiles Einsatz-Kommando (MEK) an ihre Fersen.

Später gibt es dann in Delmenhorst eine Zugriffsmöglichkeit für die Beamten. Sie wird nicht genutzt. Einer der damals in Oldenburg beteiligten Polizisten bedauert dies noch heute: „Natürlich waren die Bedingungen schwierig und der Einsatz nicht ohne Risiko. Aber was wäre uns erspart geblieben?“

Von Delmenhorst aus fahren die Gangster nach Bremen, wo sie am Abend des 17. August einen Linienbus kapern. Kaltblütig stehen sie der Presse Rede und Antwort.

Mit 27 Geiseln an Bord fahren sie dann bis zur Raststätte Grundbergsee. Dort lassen sie die zwei Bankangestellten frei. Als die Polizei Löblich auf dem Weg zur Rastplatz-Toilette vorübergehend festnimmt, erschießt Degowski den 15-jährigen Italiener Emanuele de Georgi. Der Bus nimmt Kurs auf Holland. Bei der Verfolgung verunglückt ein Polizist tödlich. Am frühen Morgen des 18. August fährt der Bus über die Grenze. Wieder fallen Schüsse. Der Busfahrer und Löblich werden verletzt. Die Täter erpressen ein neues Fluchtauto und setzen mit den beiden Bremer Geiseln Silke Bischoff und Ines Voitle die Fahrt fort. Sie kehren ins Rheinland zurück, wo es in Köln zu der bizarren „Pressekonferenz“ im umlagerten Fluchtauto mitten in der Innenstadt kommt.

Erst als die Geiselnehmer in Richtung Frankfurt fuhren, greift auf der Autobahn bei Bad Honnef ein Spezialkommando der Polizei mit einem dramatischen Ramm-Manöver und Waffengewalt ein. Die 18-jährige Silke Bischoff stirbt durch eine Kugel aus Rösners Waffe, ihre Freundin überlebt schwer verletzt.

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