• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Vier Cent pro Kilogramm Fleisch fürs Tierwohl

16.01.2015

Berlin Abschied vom Billigfleisch? Landwirte, Schlachthöfe und Handel haben nach zwei Jahren Vorbereitungszeit eine Initiative gestartet, um das Tierwohl in den Ställen zu verbessern. „Wir wollen messbare Verbesserungen erreichen“, sagte Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der „Initiative Tierwohl“, am Donnerstag in Berlin.

Seit Jahresbeginn führen die Handelsunternehmen vier Cent pro verkauftem Kilogramm Fleisch an einen Fonds ab. Daraus erhalten die Bauern Zuschläge, wenn sie ihre Tiere besser behandeln als vom Gesetz vorgeschrieben. Für zehn Prozent mehr Platz erhalten Schweinebauern beispielsweise 2,80 Euro extra pro Schlachttier.

Sie können den Schweinen zusätzlich zum Schrot Heu geben, was gut für die Verdauung ist. Puten soll nicht mehr der Schnabel mit einem heißen Messer gekürzt werden. Stattdessen werden künftig Infrarotgeräte eingesetzt. Vorgesehen ist zudem, Klimaanlagen und Tränken in den Ställen regelmäßig überwachen zu lassen.

Die Beteiligung ist schon zum Start der Initiative groß. Die meisten Handelsunternehmen machen mit, darunter Lebensmittelketten wie Aldi Nord und Süd, Lidl und Edeka. Das entspricht 85 Prozent des Marktvolumens. Erwartet wird, dass bis 2017 insgesamt 255 Millionen Euro zusammenkommen.

Im Startjahr sollen Verbesserungen für bis zu acht Millionen Schweine, 300 Millionen Hähnchen und 15 Millionen Puten umgesetzt werden. Laut der jüngsten Zählung wurden im Mai 2014 28,1 Millionen Schweine in Deutschland gehalten. Bislang muss der Verbraucher Biofleisch kaufen, wenn er Wert auf Fleisch von mehr oder weniger glücklichen Tieren legt. Seit mehr als einem Jahr gibt es zudem ein eigenes Siegel des Tierschutzbundes.

Das „Tierwohl“-Fleisch, das ab August in die Märkte kommt, wird nicht gesondert gekennzeichnet. Es ist aber noch unklar, inwiefern der Handel die Abgabe auf den Preis umlege. Das sei Sache der Unternehmen, sagte Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels.

Tierschützer kritisieren die Umsetzung des Programms. „Bei Geflügel sind die Standards viel zu niedrig“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Zudem sei in der Schweinemast teilweise eine genau durchdachte Kombination der Kriterien notwendig – bei der Initiative Tierwohl könne man aber die Kriterien aus einem Paket wählen.

Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, kritisierte die Initiative angesichts der Kampfpreise für Fleisch als ein „Feigenblatt“. Für den Verbraucher sei nicht nachvollziehbar, welche Produkte tatsächlich höheren Anforderungen genügen würden, kritisierte die grüne Umweltexpertin. „Wir brauchen bessere gesetzliche Standards, zum Beispiel Vorschriften für ein ausreichendes Platzangebot für alle Tiere“, so Höhn. „Der Handel kann seinen Beitrag leisten, indem er Fleisch nicht als Billigware verramscht, sondern seinen Beitrag zu fairen Preisen leistet.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.