Berlin/Oldenburg - Mit dem Rad sind es von der Klagenfurter Straße in München knapp 15 Minuten bis zur Uni. Eine freie Wohnung gibt es auch: ein Zimmer, möbliert, 13 Quadratmeter, 490 Euro Monatsmiete – für die meisten Studenten ein Vermögen. In der Mehrheit der Universitätsstädte hat sich die Wohnsituation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, in keiner ist es so schlimm wie in München.
Besonders kritisch
Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Studie des Moses Mendelssohn Instituts im Auftrag des Immobilienentwicklers GBI. Untersucht wurden alle Hochschulstandorte mit mehr als 5000 Studenten.
In 19 Städten schätzen die Forscher die Wohnsituation als besonders kritisch ein. Hinter München folgen Frankfurt am Main, Köln und Hamburg. Bremen steht wie im Vorjahr auf Platz 21. Vechta ist erstmals aufgeführt und steht auf Platz 32 zwei Ränge vor Oldenburg. Osnabrück folgt auf Platz 53.
Die Einschätzung stützt sich auf eine Auswertung von Miet- und WG-Preisen, Leerstands-Quoten, Wanderungssalden, Studenten- und Erstsemesterzahlen. Auch die Zahl der Berufsschüler, die den Studenten auf dem Wohnungsmarkt Konkurrenz machen, wurde berücksichtigt.
Vor allem in den großen Metropolen und in international anerkannten Uni-Städten sei die Wohnungssuche schwierig, ermittelten die Forscher. München, das viele Jahre mit besonders hohen Mieten eine Sonderstellung hatte, werde langsam von anderen Städten eingeholt. In sieben der 91 Hochschulstandorte sei es aber auch etwas einfacher geworden, die passende Wohnung zu finden: etwa in Bielefeld (Platz 61), Hannover (36), Münster (17) und Osnabrück.
Am wenigsten Probleme bei der Wohnungssuche haben Studenten der Erhebung zufolge im Regionalverband Saarbrücken (72), in Kaiserslautern (71), Siegen-Wittgenstein (70) und Leipzig (69)
Aus dem Studentenwerk Osnabrück, dass auch für die Universität Vechta zuständig ist, heißt es, man habe wie immer mehr Bewerber als Wohnheimplätze. Ähnlich sieht es in Oldenburg aus. „Die Probleme sind in den vergangenen Jahren zwar nicht schlimmer geworden – aber eben auch nicht besser“, sagt Ted Thurner, Geschäftsführer des Studentenwerks Oldenburg, das auch für Wilhelmshaven, Emden/Leer und Elsfleth zuständig ist. „Es ist ein angespannter Wohnungsmarkt.“
Die gut 2000 Plätze, davon rund 1400 in Oldenburg, die in Wohnheimen zur Verfügung stehen, werden laut Thurner zum Semesterstart am 1. Oktober alle belegt sein. Auf der Straße muss aber kein Student stehen. „Auch die auf der Warteliste finden etwas“, sagt Thurner. Wohnungsknappheit ja, Wohnungsnot nein. „Davon würden wir nicht sprechen.“
Auf Ernstfall vorbereitet
In Elsfleth gebe es ohnehin keine Probleme. Auch in Wilhelmshaven „findet man gut und günstig Wohnraum“, sagt Thurner. In Emden sei es etwas schwerer. „Aber auch dort ist es entspannter als in Oldenburg.“
Dort ist das Studentenwerk seit einigen Jahren auf den Ernstfall vorbereitet: In einem Wohnheim wird zum Semesterstart eine Notunterkunft eingerichtet. Genutzt wurden die provisorischen Betten laut Thurner aber bislang noch nie.
Trotz der vielerorts angespannten Wohnungssituation ziehen die Studenten der Erhebung zufolge weiter in die begehrten Städte – und dort auch nicht automatisch in die günstigeren Quartiere, erklärten die Forscher. Für eine entsprechende Lage mit Kneipen und Kulturangeboten machten sie eher Kompromisse bei Ausstattung und Wohnungsgröße als in weniger attraktivere Gegenden zu ziehen.
