• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Vor allem junge Briten sagten Nein zum Ausstieg

25.06.2016

London Sie haben es getan, sie haben es gewagt – und sie haben globale Schockwellen ausgelöst. Eiskalt haben die Briten die Tür zu Europa zugeknallt. Alle Warnungen haben nichts genutzt – nichts und niemand vermochte die Briten und ihren Wunsch nach dem Brexit zu bremsen.

„Es wird Geschichte geschrieben“, formuliert es eine Reporterin der BBC – die Fassungslosigkeit ist ihr ins Gesicht geschrieben. Die Kommentatoren reagieren ratlos. „Es wird eine Ewigkeit dauern, sich von diesem Sieg der Brexit-Fantasten zu erholen“, titelt die „Times“, normalerweise nicht gerade als Blatt der EU-Freunde bekannt.

David Cameron, Noch-Premier und großer Verlierer, braucht Stunden, ehe er Worte wiederfindet. Als er schließlich vor No. 10 Downing Street vor die Kameras tritt, redet er lange, spricht von der Liebe zum Land, wie stolz er ist, Premier zu sein. Eher nebenbei erwähnt er, dass er wohl nur noch bis Oktober im Amt bleiben, mit der EU über den Ausstieg verhandeln will. Camerons Stimme kling zeitweise etwas eigenartig – aber öffentliche Gefühlsbekundungen gehören bekanntlich nicht zu britischen Charakterzügen.

Lange Zeit hätte sich kaum jemand träumen lassen, dass das Rausgehen-Lager jemals eine Mehrheit erzielen würde. Doch dann holten die Befürworter eines EU-Ausstiegs mächtig auf: In den vergangenen Wochen war es vor allem das Reizthema Migration, mit dem sie punkten konnten. Ein Thema, wie geschaffen, um Emotionen anzuheizen, Vernunft und Argumente ins Abseits zu drängen. Nicht nur Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei spielte auf dieser Klaviatur. „Die EU versagt, die EU stirbt“, frohlockte er am Freitag. „Über einem unabhängigen Vereinigten Königreich bricht das Morgenrot an.“

Das Zahlenmaterial der Meinungsforscher zeigt verblüffend offen, was los ist mit Großbritannien im Jahr 2016. Für den Brexit votierten vor allem Menschen in England und Wales, außerhalb der Metropole London, mit überwiegend schwächerer Bildung, schwächerem Sozialstatus und höherem Alter. Bei den Jungen, besser Gebildeten, in London, Nordirland oder Schottland verfing die Anti-EU-Stimmungsmache weniger.

Den Brexit wollten die Älteren, unzufriedenen in den heruntergekommenen Sozialwohnungsblocks der Midlands und des englischen Nordens. London zahlt mit dem Brexit dafür, Strukturpolitik sträflich vernachlässigt zu haben, die Menschen in ihren Sozialwohnungsblocks alleine gelassen zu haben. „Großbritanniens Krankheiten kommen nicht von der EU, sie sind selbstgemacht“, sagt Robin Niblett, Direktor des angesehensten britischen Thinktanks Chatham House.

Regiert werden die Briten auch künftig von Politikern, die in der britischen Klassengesellschaft nicht zu den Aufsteigern gehören. Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson, der als möglicher Cameron-Nachfolger gehandelt wird, Innenministerin Theresa May und Co. waren schon oben, als ihre Eltern sie auf Eliteinternate schickten.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.