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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

KÜSTENAUTOBAHN: „Warum zerstört ihr die Natur?“

01.06.2007

IM NORDWESTEN Eine neue Schnellstraße? Gut und schön. Aber

direkt vor der eigenen Haustür? Die NWZ war entlang der geplanten Trasse unterwegs und sprach mit den betroffenen Menschen.

Von Jürgen Westerhoff

Götz Stenzig ist ein besonnener Mann. „Seit ewig“ wohnt er in seinem Haus in Groß Garnholt östlich von Westerstede im Ammerland – und versteht seit einigen Tagen die Welt nicht mehr. „Schauen Sie sich das an. Diese schöne Landschaft hier. Die muss man doch bewahren. Warum wollen die Politiker die Natur mit Gewalt zerstören?“

Der Rentner ist strikt gegen die geplante Küstenautobahn 22, die nach der aktuellen Planung wenige hundert Meter an seinem Haus vorbei führen soll – „und das nur, weil einige hoffen, dass dann die Arbeitsplätze nur so anrollen werden“. Diese Vorstellung hält Götz Stenzig für unbewiesen und wenig wahrscheinlich – schließlich lebe das Ammerland fast ausschließlich vom Tourismus und den Baumschulen.

Auf die verantwortlichen Politiker ist entlang der Trassenführung kaum jemand gut zu sprechen. Auch Herbert Peters nicht, der sich bereits im Frühjahr an einer Demonstration der Garnholter gegen die A 22 beteiligt hat. „Das soll wohl“, meint er bedächtig auf die Frage, ob der Protest anhalten werde.

Herbert Peters hat einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchkühen und Bullenmast. Seit 120 Jahren gehört der Hof seiner Familie. Jetzt sollen die Flächen durch die Autobahn zerschnitten werden. Das macht ihm auch zu schaffen, weil er auf den Maisanbau als Futter für seine Rinder angewiesen ist. Ob der Protest erfolgreich sein wird? Herbert Peters ist sich nicht sicher: „Wenn die da oben das wollen, haben wir wohl keine großen Chancen.“

Drastische Kritik an der vorgesehenen Streckenführung übt auch der Garnholter Dirk Hobbiebrunken: „Wir waren völlig schockiert. Die jetzt aktuelle Variante galt ja als völlig unwahrscheinlich.“ Der Frust ist groß, denn „jetzt wird die Gemeinde total zerstückelt“. Das sei deshalb so bedauerlich, weil es ein völlig intaktes Dorfleben gegeben habe. Das könne man jetzt vergessen.

Akut bedroht sieht er auch seinen Betrieb – eine Baumschule, die er seit 15 Jahren auf dem Familienhof betreibt: „Uns bleiben noch vier von 18 Hektar – der Rest liegt dann jenseits der Autobahn.“ Das sei weitaus mehr als eine Beeinträchtigung des Betriebs, sondern eine existenzielle Gefahr.

Besser ist die Stimmung im Tierpark Jaderberg. Dort wird die geplante Küstenautobahn durchaus positiv bewertet. Barbara Minnemann zur NWZ: „Wir freuen uns, wenn wir leichter zu erreichen sind.“ Zurzeit gebe es immer wieder Besucher aus dem Raum Hamburg – und für die werde die Anreise über die Autobahn 22 erheblich schneller. Positiv habe sich in der Vergangenheit bereits der Wesertunnel für den Park ausgewirkt. Der Anteil von Gästen aus Bremerhaven und Cuxhaven sei deutlich gestiegen.

Nicht namentlich genannt werden möchte eine Rentnerin, die ihr Wohnhaus gefährdet sieht. Sie hat bereits resigniert und glaubt nicht mehr daran, „dass da noch was zu machen ist“.

1953 hat sie das schmucke Häuschen gemeinsam mit ihrem Mann, einem gelernten Maurer, gebaut. Im Gespräch mit der NWZ ist ihr deutlich anzumerken, wie schwer es ihr fällt, über die neue Bedrohung zu reden. Ihr Mann wurde schon einmal vertrieben – damals musste er im Krieg seine Heimat in Pommern verlassen. Dass dem Paar jetzt „eine neue Vertreibung“ droht – das macht sie bitter.

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NWZ/POLITIK/HINTERGRUND1

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