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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Ab jetzt wird gebaggert

24.07.2019

Wedel /Hamburg /Hannover Diesen unappetitlichen Drink ließ Andreas Scheuer lieber stehen: Als der CSU-Bundesverkehrsminister am Dienstag am Schulauer Fährhaus in Wedel (Kreis Pinneberg) zum Start der Elbvertiefung aufs Fahrgastschiff „MS Hammonia“ eilte, musste er an Dutzenden Umweltschützern vorbei. Die reichten tote Stinte in Sektgläsern – ein „letztes Gedeck für die Elbe“ – und protestierten so gegen die befürchteten massiven ökologischen Schäden des Flussausbaus.

Doch Scheuer und die Spitzen der Hamburger Hafenwirtschaft, Politik und der Planungsbehörden ließen sich an diesem strahlenden Sommertag die Feierlaune nicht verderben. Nach mehr als 17 Jahren Streit und Prozessen hieß es nun: Und sie baggern doch.

Auf einer Länge von 130 Kilometern wird die Fahrrinne verbreitert und vertieft. Künftig können Schiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Metern auch tideunabhängig Deutschlands größten Seehafen erreichen, ein Meter mehr als bisher. Der Abschluss ist für Herbst 2021 vorgesehen. Die Elbvertiefung sei nicht nur für die Stadt, sondern für das ganze Land notwendig, betonten die Festredner durch die Bank. Der Bund trägt dementsprechend rund zwei Drittel der veranschlagten 800 Millionen Euro.

Kritik kam aus Niedersachsens Politik. Nicht nur die Grünen bezeichnen die Elbvertiefung als „Fehler“ und fordern ein Ende des „Wettrüstens einzelner Häfen um die immer größeren Frachter“, wie es Imke Byl, umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, formulierte.

Auch in der Landesregierung sieht man den Ausbau kritisch, zumal die größten Frachter bereits heute den Wilhelmshavener Tiefwasserhafen anfahren können. Hafenminister Bernd Althusmann (CDU) drückt sich noch diplomatisch aus: Man stehe „Kooperationen offen gegenüber“, erklärte er. Der Jade-Weser-Port habe trotz der Steigerung auf 656 000 umgeschlagene Standardcontainer (TEU) im vergangenen Jahr noch Kapazitäten frei. Tatsächlich hat Wilhelmshaven eine maximale Umschlagskapazität von 2,7 Millionen TEU pro Jahr. „Ziel ist es aber nicht, andere Häfen, zum Beispiel Hamburg, zu schwächen, sondern sich zu ergänzen“, wirbt er.

CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer stellt die Elbvertiefung grundsätzlich infrage: „In Zeiten eines funktionierenden Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven muss die Frage gestattet sein, ob eine Vertiefung der Elbe notwendig ist. Dabei sollte geprüft werden, wie wir die Warenverkehre der Zukunft organisieren und die Zusammenarbeit der norddeutschen Länder verbessern können“, sagte er.

Niedersachsen hatte sich zuletzt immer wieder für eine norddeutsche Hafenkooperation ausgesprochen, zeitweise traten die „German Ports“ sogar gemeinsam in Asien auf. Die Idee: Nur so könnten die Häfen Hamburgs (Umschlagsvolumen von etwa 135 Millionen Tonnen pro Jahr), Bremens (rund 74 Millionen Tonnen) und Niedersachsens (etwa 50 Millionen Tonnen) international eine Rolle spielen. Denn alle zusammen kommen nicht mal ansatzweise an den Konkurrenten Rotterdam heran – hier wurden im vergangenen Jahr 469 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen.

Grafik zum Thema als PDF.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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