Essen - Gut fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Thomas Middelhoff den Chefsessel des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor geräumt hat. Doch das Drama um das kurz darauf pleitegegangene Unternehmen lässt den 61-jährigen Topmanager nicht los. Das am Freitag zu Ende gegangene Verfahren ist nur ein Teil des Prozessmarathons. Als Kläger, Beklagter und Zeuge ist er in mehrere Verfahren involviert.
Heftig sind vor allem die juristischen Auseinandersetzungen zwischen Middelhoff und dem Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch sowie dessen Vorgänger Klaus Hubert Görg. Sie forderten nach der Pleite des Konzerns von Middelhoff nicht nur Boni, Tantiemen und Spesen in zweistelliger Millionenhöhe zurück, sondern verklagten ihn wegen angeblicher Managementfehler auch auf Schadenersatz in Höhe von 175 Millionen Euro. Obwohl die Insolvenzverwalter vor Gericht zumindest Teilerfolge erzielen konnten, beschäftigt sich das Oberlandesgericht Hamm in zweiter Instanz noch immer mit den Verfahren. Middelhoff weist die Vorwürfe kategorisch zurück.
Middelhoff hatte 2005 die Führung des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns übernommen, umgebaut und umfirmiert in Arcandor. Der Konzern meldete 2009 Insolvenz an. Das brachte auch Sal. Oppenheim an den Rand des Ruins. Die Kölner Privatbank hatte zuletzt große Arcandor-Aktienbestände übernommen. Seit 2010 gehört Sal. Oppenheim in stark verkleinerter Form zur Deutschen Bank.
Mit der Bank streitet Middelhoff um Millionensummen. Das Institut hatte Middelhoff und seine Frau Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Das Ehepaar soll Kredite nicht zurückgezahlt haben. Zuvor wiederum hatten die Middelhoffs die Bank auf mehr als 100 Millionen Euro verklagt. Das Ehepaar fordert die Rückabwicklung seiner Beteiligungen an diversen Fonds und die Freigabe von gut 23 Millionen Euro Festgeldern.
In einen Prozess gegen das einstige Führungsquartett von Sal. Oppenheim sowie den Immobilienunternehmer und Vermögensberater Josef Esch ist Middelhoff als Zeuge involviert. Ebenfalls als Zeuge ist er im Kölner Schadenersatz-Prozess der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz gegen 14 Beklagte aufgetreten. Die ehemalige Milliardärin hatte mit der Arcandor-Pleite viel Geld verloren.
