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NWZonline.de Region

Braucht das Schiff noch Menschen?

20.11.2017

Wilhelmshaven /Berlin Der Name ist sperrig, das System ist noch nicht ausgereift, der Zeitpunkt der Marktreife ungewiss. Dennoch hat mit MTCAS die Schifffahrt von morgen bereits begonnen. Das Abkürzungsungetüm steht für „Maritime Traffic Alert and Collision Avoidance System“ und ist der Name eines hochkomplexen Computerprogramms zur elektronischen Kollisionsverhütung auf hoher See.

Ursprünglich von Wissenschaftlern des Oldenburger Forschungsinstituts Offis ausgedacht, steht das Wilhelmshavener Forschungsschiff „Senckenberg“ als Plattform für die praktische Seeerprobung in den Gewässern der Deutschen Bucht zur Verfügung. Die Nordsee ist eines der weltweit besten Gebiete zum Test solcher Sicherheitssysteme. Jedes Jahr werden dort inzwischen mehr als 100 000 Schiffsbewegungen registriert.

Mit dem neuen System zur elektronischen Kollisionsvermeidung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum autonomen Schiff gemacht, bei dem der Unsicherheitsfaktor Mensch möglichst weit zurückgedrängt werden soll.

Zwei Tage diskutierten auf Einladung des Bundesverkehrsministeriums Schifffahrtsexperten in Berlin Fragen der Sicherheit auf hoher See. Im Zentrum stand die Digitalisierung der Arbeitswelt auf dem Schiff, um angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens und dem immer stärker werdenden Mangel an Manövrierraum für mehr Sicherheit zu sorgen.

Braucht das Schiff noch Menschen? Wird es in absehbarer Zeit dazu kommen, dass der Unsicherheitsfaktor Mensch ganz von Bord verschwindet? – Zumindest wird jetzt schon an Zwischenschritten in diese Richtung gearbeitet.

So wird beispielsweise durch das auf der Berliner Seeschifffahrts-Sicherheits-Konferenz vorgestellte System zur Kollisionsvermeidung die Schwachstelle menschlicher Missverständnisse verringert. Schneller als der Mensch auf der Kommandobrücke eines Schiffes verschafft sich das Programm einen genauen Überblick über komplizierte Verkehrssituationen und kennt die Reaktionen der anderen beteiligten Schiffe ohne nachzufragen – wenn alle beteiligten Schiffseinheiten mit dem System ausgestattet sind.

Der automatische Datenaustausch mit anderen Schiffen führt dazu, dass alle Beteiligten in Gefahrensituationen sofort wissen, was der andere tut. Konfliktlösungen und Ausweichmanöver funktionieren so ohne den Unsicherheitsfaktor Mensch.

Mehr digitale Unterstützung: Das kann auch zu einer sicheren Aufteilung der Meeresgebiete führen, die inzwischen ja nicht mehr nur der Schifffahrt zur Verfügung stehen, sondern beispielsweise auch von Offshore-Windparks besetzt werden und eine besondere Herausforderung darstellen.

Und trotz aller erhofften Wunderdinge der Technik bleibt der Rat des Fachmanns: „Ein Blick nach draußen in die Wirklichkeit auf See kann dem Seemann immer helfen. Denn die Natur ist nicht digital, sondern analog – wie der Mensch.“

„Ändern Sie bitte sofort Ihren Kurs!“ – Ein Dialog auf See

Spanier: Hier spricht A 853 zu Ihnen, bitte ändern Sie ihren Kurs um 15 Grad nach Süden um eine Kollision zu vermeiden... Sie fahren direkt auf uns zu, Entfernung 25 nautische Meilen...

Amerikaner: Wir raten Ihnen, Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden zu ändern um eine Kollision zu vermeiden.

Spanier: Negative Antwort. Wir wiederholen: Ändern Sie Ihren Kurs, um eine Kollision zu vermeiden.

Amerikaner: Hier spricht der Kapitän eines Schiffes der Marine der Vereinigten Staaten von Amerika zu ihnen. Wir beharren darauf: Ändern Sie sofort ihren Kurs, um eine Kollision zu vermeiden.

Spanier: Dies sehen wir weder als machbar noch erforderlich an, wir empfehlen Ihnen, Ihren Kurs um 15 Grad nach Süden zu ändern, um eine Kollision zu vermeiden.

Amerikaner: Hier spricht der Kommandant eines US-Flugzeugträgers. Uns geleiten sechs Zerstörer, fünf Fregatten und vier U-Boote, die uns jederzeit unterstützen können. Sollten Sie Ihren Kurs nicht unverzüglich ändern, so sehen wir uns gezwungen, die notwendigen Schritte einzuleiten, um unsere Sicherheit zu garantieren.

Spanier: Und wir sind die Besatzung eines Leuchtturms!

Dichtung oder Wahrheit? – Der oben abgedruckte Dialog wird im Internet gern als authentisch angegeben, dürfte tatsächlich aber eher in die Kategorie „Seemannsgarn“ gehören.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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Bundesverkehrsministerium | Offis

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