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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Holocaust-Gedenktag: „Wissen um historische Verantwortung verblasst“

25.01.2016
Frage: Herr Königshaus, wie wichtig sind solche Tage des Erinnerns wie der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar?

Königshaus: Sie sind von unverzichtbarer Bedeutung. Nur das Erinnern hält die Erinnerung wach. Das dunkelste Kapitel unserer Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten. Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die aus eigenem Erleben berichten können. Deshalb ist auch das Gedenken im Bundestag so wichtig: Es ist jedes Jahr aufs Neue ein Signal gegen das Vergessen und gegen jeden Versuch, den Holocaust zu relativieren.

Frage: Der Berliner Historiker Wolfgang Benz hat vor einiger Zeit geschrieben, von wachsendem Antisemitismus könne in Deutschland keine Rede sein – eher von einem Phänomen mit schwindender Bedeutung. Teilen Sie diese These?

Königshaus: Ich bin kein Forscher, verfüge nicht über eigene wissenschaftliche Erkenntnisse. Aber es ist spürbar, dass es Antisemitismus in unserer Gesellschaft gibt, und zwar in erheblichen Ausmaß. Es mag sein, dass Ressentiments und Vorurteile abnehmen. Aber wir beobachten auch, dass sich Kritik am Staat Israel mit antisemitischen Äußerungen mischt. In der Vergangenheit gab es in Deutschland viel Sympathie für Israel – auch aus dem Wissen um unsere historische Verantwortung heraus. Doch dieses Wissen verblasst. Israel wird zunehmend als Goliath gesehen und seine Feinde als David. Dabei sind einige umliegende Staaten für Israel eine viel größere Bedrohung als es Israel für sie je sein könnte.

Frage: Der Zentralrat der Juden fürchtet, dass der Antisemitismus in Deutschland steigt. Sind die Warnungen berechtigt?

Königshaus: Es kommen jetzt viele zu uns, die ganz anders geprägt sind als wir und denen Hass gegen die Juden und den Staats Israel gepredigt wurde. Sie kennen die historische Verantwortung Deutschlands oftmals nicht. Bei vielen Flüchtlingen geht es um verfestigten Antisemitismus. Das dürfen wir auf keinen Fall beschönigen. Der Präsident des Zentralrats der Juden hat vor diesem Phänomen zurecht gewarnt. Wir bekommen ein Problem mit diesen Migranten, wenn wir nicht entschieden gegen ihren Antisemitismus vorgehen. Aufklärung gehört auf den Lehrplan in den Schulen und in den Integrationskursen. Ich wünsche mir auch eine objektivere Abhandlung des Nahost-Konflikts in unseren Schulbüchern. Da wird bisher vieles verkürzt und einseitig dargestellt.

Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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