• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Versuchte Tötung löst Großeinsatz aus
+++ Eilmeldung +++

Frau In Norddeich In Lebensgefahr
Versuchte Tötung löst Großeinsatz aus

NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

„Zwei Jahrhundertfluten sind zu viel“

04.06.2013

Passau /Grimma Erst regnete es wochenlang, dann kam die Flut – und zwar so schnell und heftig, wie es kaum jemand erwartet hatte. So wurde im hochwassererfahrenen Passau die schlimmste Überschwemmung seit dem Jahr 1501 gemessen. Szenen aus den betroffenen Orten:

Passau: Seit einem halben Jahrtausend stand das Wasser von Donau und Inn nicht mehr so hoch in der niederbayerischen Stadt. Schaufenster bersten, Geschäfte und Gaststätten laufen voll. Schon zuvor hat die Feuerwehr viele Keller mit sauberem Wasser geflutet, damit der Schlamm der Donau nicht zu sehr eindringen kann. Doch die Menschen kämpfen nicht nur mit der braunen Flut, in Teilen der Altstadt muss auch der Strom abgedreht werden. In einem Kinderhort, der normalerweise 100 Meter vom Fluss entfernt ist, bringen Helfer die Möbel in Sicherheit. „Eine solche Situation hatten wir noch nie, auch nicht beim Jahrhunderthochwasser 2002. Und es ist kein Ende in Sicht“, klagt Hortleiterin Sabine Sterl.

Kolbermoor: Tosend schiebt die Mangfall ihre bräunlichen Wassermassen durch das kleine oberbayerische Örtchen. Mit Sandsäcken versuchen die Anwohner, sich zu schützen – noch halten die Dämme, aber das Grundwasser steigt. „Wir saufen langsam ab“, sagt Matthis Breeede. In seiner Tiefgarage steht das Wasser kniehoch. Vor den Häusern rattern Generatoren, mit denen Wasserpumpen betrieben werden. Fast alle Keller stehen hier unter Wasser.

Grimma: Die sächsische Stadt an der Mulde wird zum zweiten Mal innerhalb von elf Jahren Opfer der Fluten. Eine Rentnerin starrt fassungslos auf die Brühe, die durch die schmucke historische Innenstadt schwappt. „Da kommen Erinnerungen an 2002 hoch“, sagt sie. Rund 2500 Menschen mussten in Grimma in Sicherheit gebracht werden. „Zwei Jahrtausendhochwasser in elf Jahren – das ist einfach zu viel“, sagt Bürgermeister Matthias Berger. „Die ganzen privaten und öffentlichen Investitionen der vergangenen Jahre sind dahin.“ Eine halbe Milliarde Euro sei in den Wiederaufbau gesteckt worden. Berger: „Wir sind gar nicht in der Lage, alle zehn Jahre unsere Stadt neu aufzubauen.“

Bad Schandau: Auf dem Marktplatz von Bad Schandau versuchen Anwohner und Geschäftsleute, ihre Gebäude wasserfest zu machen. Sie stellen Aluminium-Spundwände auf. Prognosen zufolge wird die Elbe die sächsische Stadt an der deutsch-tschechischen Grenze fluten, drei Meter hoch soll das Wasser dann auf dem Marktplatz stehen. Die Stimmung sei zwischen Wut, Resignation und Sorge, so Bürgermeister Andreas Eggert.

Eilenburg: In einer Grundschule der Stadt in Sachsen haben 170 Menschen die Nacht verbracht, zur Hälfte Bewohner eines Pflegeheims. Eine junge Frau fragt am Montag mit tränenerstickter Stimme, ob sie für sich und ihre zwei Kinder eine Notunterkunft haben könnte. Sie hat auch zwei Hunde dabei – aber die dürfen nicht mit. Der sächsischen Stadt Eilenburg droht trotz eines sehr aufwendigen Flutschutzes eine Überschwemmung. Bürgermeister Hubertus Wacker sagt: „Ich habe mir immer eingeredet, Eilenburg sei die erste hochwassersichere Stadt, aber ich muss am Ende einsehen: Die Natur ist nicht berechenbar.“

Gössnitz: Nur mit einem Schlauchboot können sich Feuerwehrleute durch das Zentrum der Stadt in Thüringen bewegen. Die dreckige Brühe der Pleiße hat sich über die 3000-Einwohner-Stadt ergossen. Das Ausmaß der Schäden sei nicht abzusehen, sagt Landrätin Michaele Sojka. „Aber es ist viel, viel schlimmer als das Hochwasser 2002.“ Im Landkreis Altenburger Land herrscht Katas­trophenalarm, in etlichen Orten mussten Menschen ihre Häuser verlassen. Für die Betroffenen wird das Ausharren in Notunterkünften zur Geduldsprobe. „Ich konnte nicht wirklich ein Auge zumachen“, erzählt die 22 Jahre alte Mandy Teichmann. Sie versucht in einer Turnhalle in Gößnitz, ihren zweijährigen Sohn Leon mit Bausteinen bei Laune zu halten.

Während die Menschen in Notunterkünften ausharren, schlüpfen die Politiker in Gummistiefel. Nach und nach besuchen die Ministerpräsidenten der betroffenen Länder die Katastrophengebiete. Stanislaw Tillich (Sachsen), Christine Lieberknecht (Thüringen), Horst Seehofer (Bayern) machen sich jeweils vor Ort ein Bild über das Ausmaß der Flut. Mit Innenminister Hans-Peter Friedrich verschafft sich auch ein Mitglied der Bundesregierung einen Überblick über die Hochwasserlage. Nur die Kanzlerin war am Montag in Berlin unabkömmlich. An diesem Dienstag will sie nach Passau reisen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.