Holdorf - „Mein größter Wunsch ist es, dass meine Tochter, die unter Lebensgefahr in Syrien lebt, nach Deutschland kommt.“ Sichtlich ermüdet, aber zufrieden sitzt Sabria Khalaf auf dem Sofa im Wohnzimmer eines Holdorfer Einfamilienhauses.

Inmitten mehrerer Dutzend Menschen und umringt von Kameras sowie Mikrofonen strahlt die 107-Jährige Ruhe aus. Erst seit wenigen Stunden ist die Frau, die als vermutlich ältester Flüchtling der Welt gilt, wieder vereint, mit ihren Lieben. Einige von ihnen hat sie seit mehr als zehn Jahren nicht gesehen, andere, wie eine Ur-Ur-Enkelin auf dem Schoß ihres ältesten Sohnes Kinhan, noch nie zuvor. Bewegte aber fröhliche Blicke dominieren. Im Hintergrund steht ein gedeckter Tisch. Wer den Raum betritt, wird zum Essen eingeladen.

Hier, bei einem Teil ihrer weitläufigen Familie, so hofft die syrische Kurdin, die wie viele Jesiden, in ihrer Heimat unter Verfolgung litt, hat ihre inzwischen mehrere Monate andauernde Flucht aus Syrien, die über die Türkei und Athen führte, ein Ende. Holdorf ist nach der Landung auf dem Flughafen Düsseldorf am Montagmorgen die zweite Station in Deutschland. Den Weg dorthin mitgeebnet hat Annette Grothe. Anfang März hatte die menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke von dem Fall Khalaf erfahren, und sich eingeschaltet.

Holdorfs Bürgermeister Dr. Peter Krug begrüßt die Seniorin mit Frühlingsblumen. Ein Lächeln huscht über ihr von Strapazen gezeichnetes Gesicht. Krug trinkt mit Khalafs Söhnen Ali und Kinhan Tee. Dann sprechen sie über Pläne für die Zukunft. Doch das wird dauern. Zunächst gibt es viel zu erzählen, und die Großmutter hört zu.