Holdorf/Zinnowitz - „Ohne Einschränkung ja! Rückblickend wäre ich allerdings gerne ein bis zwei Jahre eher dorthin gegangen.“
Dr. Wolfgang Krug, der von 1996 bis 2004 den Posten des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters im Zinnowitz (Kreis Ostvorpommern) bekleidete, erinnert sich gern an seine Zeit in dem 3700 Einwohner zählenden Ostseebad. Auch 2015 hält Krug den Kontakt aufrecht, etwa zur Kur- und Gemeindeverwaltung. Zudem besucht er seine Ex-Wirkungsstätte. Zuletzt 2014, zur Hochzeit des örtlichen Feuerwehrchefs. Zur Heimat geworden ist für den gebürtigen Unterfranken jedoch Holdorf. Dort leitet er die Geschicke der Gemeinde.
Zurück ins Jahr 1996: Zinnowitz hatte den Bürgermeisterposten bundesweit ausgeschrieben. Krug bewarb sich, wurde zu drei Vorstellungsrunden eingeladen und gewann in einer Kampfabstimmung in der Gemeindevertretung, bei der er 13 von 15 Stimmen erhielt, gegen einen Mitbewerber aus Aurich.
Eine Herausforderung
Was nach seinem Amtsantritt am 1. August begann, beschreibt er als „sortieren“. Begünstigt von internen Querelen hatte Zinnowitz überregional Bekanntheit erlangt. Das veranlasste den damaligen Vorsitzenden der Gemeindevertretung Krug den Satz „Wer Zinnowitz überlebt, überlebt alles“ mit auf den Dienstweg zu geben.
Über Nacht hatte Krug die Verantwortung für 80 Mitarbeiter und einen 20-Millionen-DM-Etat. Es galt etwa, „die nach der Wende aufgeblähte Verwaltung zu reduzieren“, die Finanzen zu ordnen, die Gemeinde „touristisch wieder auf die Füße zu stellen“. Von der ganzjährigen Belegung zu DDR-Zeiten war das Geschäft auf sechs Wochen Sommerferien geschrumpft.
Auch das Thema Stasi-Vergangenheit war abzuarbeiten. Betroffen waren, das ergab die Überprüfung der Gauck-Behörde, drei Personen aus seinem Team. Die Gespräche mit „denen, die gehen mussten“, erklärte er zur Chefsache.
Als erste Maßnahme schloss er das mit einem jährlichen Minus von einer Million DM chronisch defizitäre Schwimmbad. Das war nur ein Ansatz, um den Schuldenstand der Gemeinde zu reduzieren. 2004 waren von einem Fünf-Millionen-DM-Minus bei seinem Amtsantritt vier Millionen DM verblieben.
2004 kam die Verwaltungsreform. Der Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters in Zinnowitz fiel weg. Krug brauchte eine Perspektive. Die Stelle des Rathauschef in Holdorf war vakant. Daran reizte Krug, dass die CDU und die Opposition gemeinsam suchten. Das war vor elf Jahren.
Eine Art Bilanz
Mit Blick auf die Zeit in Zinnowitz sagt Krug, er sei damals, wie so mancher „Wessi“ im Osten vielleicht „im positiven Sinn deutscher als im Westen“ gewesen.
An den Beitrag von Kommunen aus dem Kreis Cloppenburg zum Verwaltungsaufbau in den neuen Bundesländern erinnert auch Landrat Johann Wimberg (CDU). Man sei über die Zustände in der früheren DDR und die Auswirkungen des Sozialismus erschrocken gewesen. Umso bemerkenswerter sei, was in den neuen Ländern aufgebaut und verändert wurde.
