Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Tierschutz - Spendenaktion Sandra Reines ist die Freundin der Katzen

Frank Brüling

Blomberg - Schon auf dem Weg zu Sandra Reines’ Wohnsitz am Rande des Blomberger Reitmoores geht es „tierisch“ zu. Ein Fasanenpärchen kreuzt aufgeregt die Auffahrt, bevor Kater Leo den Fremdling mit einem Blinzeln durchs Fenster begrüßt. „Die Fasane gehören in unserem Garten zu den Stammgästen. Oft und gerne teilen sie sich mit den Singvögeln das ausgestreute Futter. Außerdem schauen manchmal Igel vorbei, die draußen gemeinsam mit den Katzen futtern. Und ab und zu kommen sogar Rehe in den Garten, um die Rosen abzufressen. Dann frage ich immer, ob es denn geschmeckt hat“, berichtet Sandra Reines lachend.

Die freundliche Postangestellte, die vielen Einheimischen auch als stimmgewaltige Sängerin bekannt sein dürfte, hat ein großes Herz für kleine Vierbeiner. Sandra Reines hat es sich zur Aufgabe gemacht, halterlose Katzen aufzupäppeln und zu vermitteln. In Kooperation mit Tierheimen in der Region sorgt sie ehrenamtlich dafür, dass für jede Samtpfote ein passendes Zuhause gefunden wird. „Die potenziellen neuen Besitzer werden von mir mit viel Sorgfalt ausgewählt. Ich nehme die Leute genau unter die Lupe“, so Reines, die selbst elf Katzen bei sich beherbergt. Zum Beispiel die zwölf Jahre alte Katze Pussy, die nach dem Tod des Hundes Ben plötzlich vor Reines’ Terrassenfenster saß. „Es war, als hätte Pussy gesagt: So, jetzt nehme ich den Platz des Hundes ein“, sagt Sandra Reines, die betont, dass sie ein besonderes, ja fast schon telepathisches Verhältnis zu Vierbeinern pflegen würde: „Ich kann es mir nicht erklären, aber hilfebedürftige Tiere finden mich einfach“, sagt sie und schmunzelt.

Weitere Artikel gibt es hier. Hündin Beke hat ein neues Zuhause gefunden.

Schlüsselerlebnisse

Sandra Reines hat die Katzenliebe quasi mit der Muttermilch aufgesogen, denn schon ihre Mutter versorgte kleine Kätzchen, die sie mit der Flasche großzog. „Und als Kleinkind bin ich immer schon hinter Hunden hergekrabbelt. Ab und zu wurde ich dann auch mal von einem Hund ein bisschen gebissen – aber das hat mir nie etwas ausgemacht“, sagt die Tierfreundin, die in jungen Jahren auch gerne reiten ging. „Als ich einmal nach dem Reiten mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, fand ich ein scheinbar herrenloses Kätzchen am Straßenrand, das ich in meine Reitkappe setzte. Schließlich fand ich heraus, dass das Fellknäuel zu einem Bauernhof in der Nähe gehörte. Ich brachte die Katze zu dem Bauern, der dann nur meinte: ,Schmeiß’ die da man hin. Ich muss wieder rein – Fußball gucken’“.

Dieses und weitere Schlüsselerlebnisse inspirierten Sandra Reines dazu, sich noch mehr um schutzbedürftige Tiere zu kümmern. So machte sie beispielsweise ein Praktikum bei einem Tierarzt und war unter anderem hautnah bei der Geburt eines Kalbes dabei. „Eigentlich wollte ich Tierarzthelferin werden, doch dafür hätte ich ein Jahr lang die Berufsschule in Hannover besuchen müssen. Ich war ja noch sehr jung – gerade erst 15 Jahre – und meine Mutter fand, dass ich noch nicht alt genug sei, um für so lange Zeit das elterliche Haus zu verlassen“, bedauert Sandra Reines, die sich seit ihrem neunten Lebensjahr „immer in Pferdeställen herumgetrieben“ hat. Hier pflegte sie unter anderem Ponys, gab ihnen Wasser und half beim Umweiden der Jungpferde. „Dafür durfte ich dann kostenlos reiten“, erinnert sich Reines.

Eine besondere Aufgabe erfüllte Sandra Reines von 1989 bis 1994. In diesem Zeitraum leitete sie das Tierheim in Aurich, wo sie sich praktisch rund um die Uhr um die Vierbeiner kümmerte. An diese Zeit hat sie nicht nur gute Erinnerungen, denn in einem Tierheim erlebe man stets auch viel Leid.

Heute pflegt die Blombergerin einen guten Draht zu den regionalen Tierheimen, mit denen sie neben dem Aufpäppeln von Streunerkatzen dafür sorgt, dass die Tiere kastriert werden.

Kein Verständnis hat Sandra Reines dafür, dass in der Samtgemeinde Holtriem keine Katzenkastrationspflicht gilt: „In allen Gemeinden in der Region besteht seit dem vergangenen Jahr diese Pflicht – nur in Holtriem nicht. Hier wird von den zuständigen Amtsinhabern fälschlicherweise behauptet, dass es in Holtriem kein Katzenleid gibt. Das finde ich äußerst irritierend, denn hier laufen durchaus zahlreiche unkastrierte Katzen herum. Ja, das zeugt in meinen Augen von großem Desinteresse. Es wird am falschen Ende gespart – so entsteht immer mehr Katzenleid.“ Dabei gebe es vom Land Niedersachsen einmal jährlich Fördergelder in Höhe von circa 300 000 Euro für eine Katzenkastrationsaktion für freilebende, verwilderte Katzen, die keinem Besitzer zugeordnet werden können.

Dankbare Landwirte

Häufig treibt es Streunerkatzen auf Bauernhöfe. Sandra Reines hat daher bereits einige Landwirte aus der Umgebung angesprochen, ob sie sich um die Kastration dieser Tiere kümmern dürfe. „Auf diese Anfragen bekam ich durchweg positive Rückmeldungen. Die Landwirte zeigen sich sehr dankbar für die angebotene Hilfe und Organisation“, so Sandra Reines, die die betroffenen Katzen auch selbst einfängt. Unterstützt wird sie bei der Finanzierung der Kastrationen von den zuständigen Tierheimen. „Viele Landwirte wollen kein Geld für die zugelaufenen Katzen ausgeben, die bei ihnen als reine Mäusefänger gehalten werden. Doch mein Ziel ist es, den freilebenden, herrenlosen Katzen bestmöglich zu helfen. Das Tierwohl steht für mich und meine Mitstreiter aus den Tierheimen an erster Stelle“, hebt Sandra Reines hervor, die sich über die gute Zusammenarbeit beispielsweise mit Elfi Kirchdorfer vom Tierschutzverein Harlingerland freut.

„In den Tierschutzvereinen gibt es so wunderbare Menschen, die sich mit ihrer ganzen Kraft und viel Herzblut um die vergessenen Seelen unserer Gesellschaft kümmern. Ich bin dankbar, solche Menschen zu kennen, denn nur gemeinsam haben wir die Kraft und Ausdauer, vielen Tieren zu helfen“, sagt sie und betont auch, dass jeder vor Ort und im Rahmen seiner Möglichkeiten Tierschutz betreiben könne.

Seit geraumer Zeit betreibt Sandra Reines eine Facebookgruppe, die unter „Tierfreunde Aurich Ostfriesland“ zu finden ist. „Hiermit halte ich alle Tierfreunde aus der Region auf dem Laufenden“, sagt die Tierfreundin, während sie Kater Shadow streichelt, den sie als einziges ihrer Tiere gekauft hat: „Den habe ich im Internet entdeckt – und mich direkt in ihn verliebt. Ich habe ihn aus der Hauptstadt abgeholt. Er ist also ein echter Berliner Jung“, sagt Sandra Reines mit einem Augenzwinkern.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Nach Zündung der beiden Sprenglandungen sackte der Kran zusammen und fiel wie geplant zu Boden.

RHENUS MIDGARD Kran im Nordenhamer Hafen gesprengt

Nordenham
Zieleinlauf beim Matjeslauf in Emden 2023

VOLKSLÄUFE IM NORDWESTEN IM JUNI – TEIL 1 Von 5 Kilometer bis 6 Stunden – Elf Startgelegenheiten bis zu den Sommerferien

Mathias Freese
Nordwesten
Sind in diesem Sommer früh wieder gefordert: Jan Urbas (links) und Nicholas Jensen

FISCHTOWN PINGUINS Erfolge bescheren Bremerhavener Eishockey-Team dichten Terminplan

Hauke Richters
Bremerhaven
Nimmt im Sommer erstmals an den Olympischen Spielen teil: der Oldenburger Jannis Maus

„ICH WILL MÖGLICHST VIEL AUFSAUGEN“ Oldenburger Kitesurfer Jannis Maus fiebert Olympia-Premiere entgegen

Niklas Benter
Oldenburg
Da wird die Deckenlampe zum Duschkopf: Das Wasser kommt durch die Decke und läuft an den Wänden hinunter.

MIETÄRGER IM AMMERLAND Wenn das Wasser aus der Deckenlampe strömt

Anke Brockmeyer
Westerstede