SCHWEINDORF/OCHTERSUM - Als Austauschschülerin und Rucksacktouristin hat Frauke Hörmann vor Jahren als junge Schülerin Amerika kennen und lieben gelernt. Heute ist die gebürtige Westerholterin 35 Jahre alt, lebt und arbeitet als Architektin in Los Angeles und ist seit Dezember verheiratet mit Jay Lizo, einem US-Amerikaner mit philippinischen Wurzeln. Zur kirchlichen Trauung kam das Paar nun nach Ostfriesland.

Als Kind besuchte Frauke Hörmann in Westerholt die Grundschule und die Orientierungsstufe und später bis zur elften Klasse in Esens das Niedersächsische Internatsgymnasium (NIGE). 1994 hatte die Gymnasiastin dann die Möglichkeit als Austauschschülern ein Jahr lang in Erie, Pennsylvania, zu leben.

Die Westerholterin hat damals bei der Familie Celly und Carla Osborn in Waterford, einem kleinen Ort bei Erie, gelebt und die Fort-le-Boeuf-Highschool in Waterford besucht. 'Ohne die Familie Osborn hätte ich später den Weg in die USA nie gewagt', erzählt Frauke Hörmann über den Kontakt und die Unterstützung durch ihre Gastfamilie.

Dieses Austauschjahr hat in Frauke Hörmann die Liebe für die USA geweckt. Mit einem Wohnmobil ging es in der Zeit nach Florida, zu den Niagara Fällen und nach Washington DC. Nach ihrer Rückkehr hat Frauke Hörmann das Ulricanum in Aurich besucht und das Abitur gemacht.

Nach dem Abi ging es dann zuerst in einen Handwerksberuf. Frauke Hörmann erlernte das Tischlerhandwerk in Melle bei Osnabrück und hat damals mit der Firma Möller auch an der Restaurierung der Mühle Klaashen in Schweindorf mitgearbeitet. Nach der Tischlerlehre und dem Gesellenbrief folgte 2001 ein Studium für Innenarchitektur in Halle/Saale und danach bis 2003 einige Semester an der Aki in Enschede in Architectonische Vormgeving und ein Abschluss mit Bachelor-Diplom.

Zwischendurch zog es die Westerholterin 2002 wieder nach Amerika. Mit dem Rucksack reiste sie acht Wochen lang kreuz und quer durch die Staaten. New York, natürlich ihre ehemalige Gastfamilie in Pennsylvania, Chicago und Los Angeles standen auf der Reiseroute.

In Kalifornien hat es ihr dann so gut gefallen, dass Frauke Hörmann nach dem Studium in Enschede 2003 noch einmal für drei Wochen an die Westküste der USA reiste. In Los Angeles hat sie bei diesem Aufenthalt auch die Gelegenheit genutzt, um Kontakte zu verschiedenen Architekturbüros und zu der Southern California Institute of Architecture (SciArc) zu knüpfen.

Mit einem Stipendium des 'Prins Bernhard Fords for Jong Talent' wurde ihr dort das erste Studienjahr ermöglicht. Ab Sommer 2004 folgte ein Masters-Studium mit Abschluss im September 2006. 'Das Studium an der SciArc war eine richtige Schufterei, aber es hat mir viel gebracht. Wir haben bis spät in der Nacht gearbeitet und am nächsten Morgen ging es weiter', blickt die Wahl-Kalifornierin heute zurück und schwärmt im gleichen Atemzug von dem beeindruckenden Ausblick vom Institut über die Downtown von L. A.

Mit dem Abschluss an der SciArc war Frauke Hörmann an ihrem Ziel angekommen. Seit 2006 arbeitet sie nun in einem renommierten Architekturbüro in Los Angeles als Architekt und Projektleiter. 'Wir arbeiten dort an zahlreichen Großprojekten für wohlhabende und berühmte Kunden', erzählt die Architektin über ihre Arbeit. Auch wenn in Beverly Hills nun keine Häuser nach ostfriesischem Vorbild entstehen werden, so tragen doch einige der großen Häuser der Schönen und Reichen in L.A. die Handschrift von Frauke Hörmann, die damit ein beeindruckendes Beispiel dafür ist, welche vielschichtigen Möglichkeiten sich engagierten Schülern und Studenten auch in unserer Region zum Beispiel über Auslandsaufenthalten und Studien im Ausland bieten.

In Los Angeles hat Frauke Hörmann 2006 auch ihren Ehemann Jay Lizo über einen gemeinsamen Mitbewohner kennen gelernt. Der 36-Jährige ist in Chicago aufgewachsen und hat nach der Highschool ein Studium an der Ringling School of Art und Design mit einem Bachelor Diplom in Bildende Kunst abgeschlossen. Jay Lizo hat als Studio-Assistent für verschiedene Künstler und Museen in Los Angeles und New York gearbeitet. Nach einem Studium in Santa Barbara und einem Masters-Abschluss kehrte Lizo nach Los Angeles zurück.

Nach der standesamtlichen Heirat im Joshua-Tree-Nationalpark, einer Wüstenlandschaft im Südosten Kaliforniens, ist das junge Paar am vergangenen Wochenende in die ostfriesische Heimat gekommen, um sich in der St.-Materniani-Kirche zu Ochtersum das Ja-Wort zu geben. Damit die Trauung auch von allen Gästen in der Kirche verstanden wurde, hat Pastorin Christine Lammers die Predigt zweisprachig gehalten.

Den Aufenthalt in Deutschland hat die Familie von Jay Lizo genutzt, um zusammen mit den Brauteltern, Gerda und Rudolf Goette aus Schweindorf Ostfriesland, das Harlingerland und die Küste kennenzulernen.