Mönchengladbach/Hamburg - Markus Gisdol trommelte seine frustrierte Mannschaft noch einmal zusammen. Am Tag nach dem Ende einer ernüchternden Bundesliga-Hinrunde begann der Fußball-Trainer des Hamburger SV mit der schonungslosen Aufarbeitung. Dem Vernehmen nach mit klaren Worten an seine Profis, die sich anschließend in den Weihnachtsurlaub verabschiedeten.
Gladbachs Sportdirektor Max Eberl stürmte nach dem 3:1-Sieg wutentbrannt in den Kabinengang. „Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wenn man unsere Mannschaft, die ein hervorragendes Heimspiel macht, bei Rückpässen auspfeift. Es geht mir so auf den Sack. Dann sollen sie zu Bayern München oder PSG gehen“, sagte Eberl. „Das ist nicht mehr Borussia Mönchengladbach, wie ich es kenne. Das ist pervers.“ Auch am Sonntag hatte er sich noch nicht beruhigt, rückte in der Sendung Doppelpass bei Sport 1 aber ein Stück von seiner Wortwahl ab.
„Es ist nicht angebracht, jetzt sofort abzuschalten“, hatte Gisdol nach dem 1:3 (0:1) zum Jahresabschluss am Freitagabend bei Borussia Mönchengladbach gesagt. Alles kommt beim erneut abstiegsgefährdeten Bundesliga-Dino auf den Prüfstand. Gisdol kündigte an, sich „grundlegende Gedanken“ zu machen.
Mit nur 15 Punkten steckt der einst so ruhmreiche Club wieder einmal tief im Tabellenkeller fest. Erstmals seit elf Jahren überwintern die Rothosen auf einem direkten Abstiegsplatz.
Die Weihnachtsbotschaft von Jens Todt fiel eindeutig aus: „Das wird eine brutale Rückrunde. Wir müssen 22, 23 Punkte holen“, sagte der Sportchef, der nun nach einem Ausweg aus der Krise sucht. Doch die Liste der möglichen Maßnahmen ist nicht allzu lang.
Eine Trainerdiskussion fängt Todt trotz Gisdols durchwachsener Bilanz nicht an. Für hochkarätige Zugänge fehlt wohl das Geld – wenn nicht wieder Investor Klaus-Michael Kühne einspringt. Das weiß auch Gisdol, dem mit ein, zwei Verstärkungen allerdings wohler wäre. Er reist mit seinen Profis schon am Neujahrstag ins Trainingslager ins spanische Jerez de la Frontera (bis 8. Januar).
In erster Linie ist die Mannschaft gefordert, die guten Ansätze auch in entsprechende Ergebnisse umzumünzen. „Es ist unglaublich, wie viele Punkte wir liegengelassen haben“, sagte Gisdol. „Es ist Woche für Woche gleich. Das ist unglaublich bitter. Wir sind in keinem Spiel hoffnungslos unterlegen“, sagte Aaron Hunt.
