ES SOLLEN JETZT ZÜGIG PLANERISCHE WEICHEN GESTELLT WERDEN. ALDI-VERPÄCHTER HEIKO HOPPE IST VERÄRGERT.
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HUDE - Wohl selten waren sich Hudes Kommunalpolitiker in einem Thema so einig wie in der Bewertung des Rahmenvertrages, den die Gemeinde Hude und die Amazonen-Werke ausgehandelt haben. Der Vertrag regelt, wie berichtet, den Umzug von Amazone ins Gewerbegebiet Altmoorhausen und die Nachnutzung der freiwerdenden Flächen in Hude und Langenberg. Zwischen „historischer Chance“ und „hervorragender Sache“ schwankten die Reaktionen aus dem Gemeinderat.
„Wir sind begeistert“, lobte FDP-Fraktionschef Rolf Schote. SPD-Fraktionsvorsitzender Heiko Aschenbeck hob die schnelle und gute Arbeit der Gemeindeverwaltung hervor: „Was hier geleistet wurde, ist mustergültig für Wirtschaftsförderung.“
Konsens im Rat herrscht auch in Sachen Aldi-Ansiedlung auf dem Amazone-Werksgelände Hude-Nord. Dafür will Bürgermeister Axel Jahnz als „Ausnahme von der Regel“ eine Abweichung vom Einzelhandelsentwicklungskonzept zulassen. „Die Parkstraße wird dadurch keinen Schaden nehmen“, gibt Rolf Schote (FDP) die Mehrheitsmeinung aus dem Rat wieder. „Aldi ist dort okay. Es handelt sich lediglich um eine Verlagerung“, ergänzt Birte Wachtendorf (Grüne).
Der Eigentümer der von Aldi derzeit gepachteten Immobilie am Hermann-Löns-Weg, Heiko Hoppe, ist indes „verärgert“ darüber, dass das Entwicklungskonzept „nichts mehr wert ist“. Er verweist darauf, dass ihm die Einrichtung eines Plus-Marktes auf dem Rüdebusch-Werkstattgelände verwehrt geblieben sei – mit der Begründung, die Parkstraße nicht schwächen zu wollen.
Hoppe hat die Hoffnung auf einen Verbleib von Aldi am jetzigen Standort noch nicht aufgegeben. Es bestehe die Möglichkeit, die Ladenfläche um 240 Quadratmeter zu erweitern. „Wir haben nächste Woche ein Gespräch, dann habe ich Klarheit.“ Noch läuft der Vertrag genau ein Jahr. Sollte Aldi dennoch gehen, macht sich Hoppe keine Sorgen, was die Nachnutzung angeht: „Das Gebäude wird nicht leer stehen“. Anfragen gebe es bereits. Denkbar seien ein weiterer Supermarkt oder ein Möbelmarkt.
Aufschnüren will im Rat das mit Amazone verabredete Paket niemand mehr. Im Gegenteil: Alle Fraktionen betonen, nun zügig planerische Weichen stellen zu wollen, um mit dem von Amazone vorgelegten Tempo Schritt zu halten. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagte Heiko Aschenbeck (SPD). So sehen es auch die Ratskollegen: Sondersitzungen seien der Wichtigkeit des Themas angemessen, findet CDU-Chef Carsten Möhlenbrock. Freidemokrat Rolf Schote gab als Motto aus: „Lange Arbeit, kurze Pausen.“
NWZ TVzeigt einen Bericht zur Amazone-Umsiedlung unter
www.NWZonline.de/nwztv
„Historische Chance“ und „hervorragende Sache“
Heiko Aschenbeck (SPD):
„Die Entwicklung bietet eine einmalige Chance für Hude. Wir sind begeistert und hoffen, dass jetzt alle an einem Strang ziehen. Wir behalten hochqualifizierte Arbeitsplätze in unserer Gemeinde. Aldi auf dem Werksgelände Hude-Nord können wir zulassen – beim Einzelhandelsentwicklungskonzept ging es damals darum, Frequenz in den Ort zu holen. Heute haben wir an der Parkstraße eine sehr stabile Situation.“
Carsten Möhlenbrock (CDU):
„Wir freuen uns, dass es gelungen ist, die Amazonen-Werke an die Gemeinde Hude zu binden. Positiv ist auch, dass die hohe Qualifikation der Mitarbeiter den Ausschlag für diese Standortentscheidung gegeben hat. Mit dem Aldi-Umzug kann ich leben. Mit der Ansiedlung eines Grundversorgers im heutigen Amazone-Activ-Center wird eine seit Jahren erhobene Forderung für Hude-Süd erfüllt.“
Rolf Schote (FDP):
„Es ist eine historische Chance für Hude. Solch ein Unternehmen zu halten, ist Standortsicherung ersten Ranges. Der Rahmenvertrag ist ein Werk, das in die nächste Generation hineinstrahlt. Parkstraße und Ortskern werden durch Aldi auf dem Werksgelände Hude-Nord nicht leiden. Schließlich ändert sich der Standort nur um 300, 400 Meter. Einen Grundversorger für Hude-Süd haben wir immer gewollt.“
Kurt Bisanz (LBfH):
„Das ist eine hervorragende Sache für Hude. Es ist schön, dass wir bald Gewerbeflächen im Ort für die Nachfrage aus dem Ort vorhalten können. Durch die Nutzung des Werktunnels rücken Nord und Süd enger zusammen. Die Kröte mit Aldi kann man schlucken. Der jetzige Standort ist nicht ideal.“
Jörg Kreusel (Kreusel-Fraktion):
„Für Amazone muss man einfach vieles möglich machen. Im Gegenzug bekommen wir mehrere positive Sachen unter einen Hut: die Tunnel-Verbindung, einen Grundversorger für Hude-Süd, weniger Lkw-Verkehr im Ort – die Vorteile überwiegen ganz klar. Für uns ist Aldi kein kniffliger Punkt – das Einzelhandelskonzept haben wir immer abgelehnt.“
Birte Wachtendorf (Grüne):
„Wir freuen uns, weil Amazone sehr wichtig für Hude ist. Wegen der Lärm- und Geruchsbelästigung ist es für die Anwohner gut, dass Amazone nach Altmoorhausen geht. Für die Nachnutzung der Werksflächen wünsche ich mir ein besonnenes Vorgehen und vorausschauende Konzepte. Daraus könnte man ein Bürgerprojekt machen. Die Schaffung von innerörtlichen Grünflächen könnte auch ein Aspekt sein.“