HUDE - „Ich kann es nicht begreifen, es tut mir so leid, was passiert ist“, schreibt Janine in ihrem Brief an Sabrina S. Vor der Einfahrt zum Haus der Huder Familie an der Alma-Rogge-Straße 2 legt sie eine weiße Rose nieder. Viele von Sabrinas Freundinnen haben das Gleiche getan. Auch ein Holzkreuz mit einem Foto der Verstorbenen wurde aufgestellt.

Janine will sich von ihrer „besten Freundin“ verabschieden. Von Sabrinas Tod habe sie in der Schule erfahren. „Unser Lehrer kam am Donnerstagmorgen in den Unterricht und hat gesagt, dass die Familie tot ist. Da bin ich zusammengebrochen“, sagt die 15-Jährige.

In ihrer Klasse sei sie die einzige gewesen, die zu Sabrina S. Kontakt gehabt habe. „Ich habe fast jeden Tag etwas mit ihr unternommen. Wir waren zusammen im Reitverein. Am Wochenende wollten wir noch zusammen zum Osterfeuer gehen, da habe ich ihr abgesagt. Das tut mir im Nachhinein so leid“, sagt sie und kann ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Dass Vater Helge S. dazu fähig gewesen sei, seine beiden Kinder umzubringen, kann sich Janine nicht vorstellen. „Vater und Mutter waren beide unglaublich nett. Wenn ich zu Besuch war, dachte ich oft, dass man sich so eine Familie nur wünschen kann. Sabrinas Vater war arbeitslos und hatte wenig zu tun. Aber wenn irgendwo jemand Hilfe brauchte, war er zur Stelle. Er konnte nicht mehr Auto fahren, das musste seine Frau machen“, erzählt Janine. Helge S. hatte nach einem Unfall seinen Beruf als Fliesenleger nicht mehr ausüben können. „Er hat nur Zuhause gesessen und seine Krankenakten gewälzt“, berichten Bekannte der Familie.

Bestürzung herrscht auch an der BBS II in Delmenhorst, die Sohn Dennis besuchte. „Dennis war nie verhaltensauffällig. Eine depressive Grundstimmung hat er nicht gezeigt“, sagt der stellvertretende Schulleiter Hartmut Jacobs. „Die beiden Lehrer, die Dennis unterrichtet haben, sind am Boden zerstört“, beschreibt Jacob die Situation.

Um ihren Brief niederzulegen, möchte Janine allein sein. Wie sie möchten viele Huder Abschied nehmen. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde veranstaltet aus diesem Grund am Sonntag, 11. April, um 10 Uhr in der St. Elisabeth-Kirche einen Gottesdienst, im Zuge dessen eine Gedenktafel errichtet werden soll. Bis zur Trauerfeier können dort Gedanken aufgeschrieben werden.