Hude - „Schön ist das hier“, sagt Ulrike Janz-Janzen und atmet tief ein. Sie lächelt und die Anderen nicken. Die Anderen, das sind ihre SPD-Fraktionskollegen Heiko Aschenbeck, Fred Hattendorf und Paul Konertz sowie Eckhard Schmidt, Dieter Bornemann und Luciano Leßmann vom SPD-Ortsverein.

Gemächlich schlendern sie mit ihren Fahrrädern vorbei an kleinen Gemüsebeeten und kunstvoll gestalteten Gartenlandschaften. An den Gehwegen blühen leuchtend gelbe Krokusse. Der Huder Abendhimmel taucht die Holzhäuser ringsherum in ein warmes Licht. Von der seichten Frühlingsbrise erfasst, wippen Kinderschaukeln und knospende Äste im Hintergrund. Sie zerzaust auch das Haar der Ratsfrau, die sich auf einen großen Stein am Wegesrand gesetzt hat. Hier lässt es sich leben. Genau das wollen die Vertreter der Huder SPD an diesem Aprilabend zeigen. Denn, was wie ein lauschiger Spaziergang wirkt, ist ein von der Partei angesetzter Ortstermin.

Unter dem Aspekt „familienfreundliches Wohnen“ stellt die in den 90er Jahren entstandene Siedlung in der Röntgenstraße für die Partei eine beispiellos gelungene Umsetzung dar. Vor 20 Jahren hatte die SPD einen Richtlinienkatalog für das, ursprünglich für Kleingärten erschlossene, Baugebiet erarbeitet. Die neuen Häuser sollten allesamt aus ökologischen Materialien errichtet werden: Tonziegel, Reetdächer, Energiesparfenster und Holzbalken waren angedacht.

„Wir hatten hohe Ziele. Alles hat sich nicht durchsetzten können. Aber vieles“, sagt Ulrike Janz-Janzen zufrieden.

Über die Hecke hinter ihrem Rücken guckt ein Familienvater in Shorts hervor. Er grüßt freundlich. „Fühlen Sie sich wohl hier?“, fragt Heiko Aschenbeck den Anwohner. Der nickt: „Ja. Sehr.“ Unübersehbar ist das Gebiet von Familien bewohnt. Die Straßen sind beinahe leer. Es ist Abendessenzeit. Kinderspielzeug liegt zwischen bemoosten Steinskulpturen.

Kein Haus gleicht dem anderen. „Hier sieht es einfach nicht so null-acht-fünfzehn aus, wie in den meisten Neubausiedlungen“, findet die Ratsfrau. Viele Gebiete wären austauschbar und könnten überall in der Gemeinde stehen. Diese Gegend habe Charakter. „Ein kleiner Dorfplatz, wo sich das Leben trifft, standorttypische Gehölze, einladende Bänke“, schwärmt sie und macht eine ausholende Bewegung. „Und hier“, sie deutet zu ihrer Rechten, wo sich große Familienwagen hinter Hecken verstecken, „so kann man Autos auch parken“.

Was hier in zwei Jahrzehnten mit den heimischen Pflanzen um die Wette gewachsen ist, beeindruckt die SPD-Mitglieder so sehr, dass sie die Röntgenstraße als ein „Gebiet mit Vorbildcharakter für die Zukunft“ bezeichnen. „Da wird so viel über familienfreundliches Wohnen geredet und nicht umgesetzt. Dabei muss man sich nur dieses Beispiel angucken“, sagt Ulrike Janz-Janzen. Hier erfüllten sich Worte und Richtlinien mit echtem Leben. Die SPD wolle sich künftig verstärkt dafür einsetzten, geplante Projekte der Gemeinde in eine ähnliche Richtung zu lenken.

Die Sonne sinkt langsam tiefer. Eine Katze schmiegt sich an die Beine der Ratsfrau und will gekrault werden. Ja, es ist schön hier.