Hude - Drei parteilose und unabhängige Bewerber gibt es für das Amt des Bürgermeisters in Hude: Holger Lebedinzew, Frank Müller und Uta Rose. Am Sonntag, 25. Mai, sind die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, ihr neues Gemeindeoberhaupt zu wählen.
In den Wochen bis zur Wahl wird die NWZ in dieser Serie Fragen an die Kandidaten richten. Die Frage heute: Wie wollen Sie das Problem „Alte Verzinkerei“ lösen und wie beurteilen Sie den Kauf von Haus Marienhude?
Leserinnen und Leser, die ebenfalls Fragen an die Kandidaten haben, können diese per Mail an die Redaktion senden (red.hude@nordwest-zeitung.de).
Außerdem findet das öffentliche NWZ -Wahlforum am Montag, 12. Mai, ab 19.30 Uhr im Vielstedter Bauernhaus statt.
Hier haben Wählerinnen und Wähler die Möglichkeit, den Bewerbern noch einmal direkt auf den Zahn zu fühlen.
Holger Lebedinzew: Der Umgang mit Industriebrachen ist grundsätzlich nicht einfach. Häufig sind nicht nur unterschiedliche Auffassungen zur Nachnutzung zu klären, sondern man hat es auch mit erheblichen Altlasten zu tun. Dass ein Grundstückseigentümer versucht, die für ihn wirtschaftlichste Nutzung zu ermöglichen, ist verständlich. Ebenso ist nachvollziehbar, dass die Gemeinde, mit der zuständigen Planungshoheit, im konkreten Fall Verzinkerei keine Projekte zulassen möchte, die den schönen Einkaufscharakter des Ortskerns beeinträchtigen. Es muss ein Nachnutzungskonzept erarbeitet werden, dass sowohl den Interessen des Eigentümers, als auch dem Schutz der Geschäfte im Ortskern gerecht wird. Hierzu müssen die Gespräche mit allen Beteiligten zügig wieder aufgenommen werden. Marienhude ist ein ortsbildprägendes Baudenkmal, das besonders schützenswert ist. Insofern kann man unter seriöser Risikoabschätzung den Ankauf zur Absicherung und Mitsprache bei zukünftigen Nutzungen durchaus rechtfertigen. Grundsätzlich bin ich jedoch der Auffassung, dass eine Gemeinde keine Immobiliengeschäfte tätigen sollte, es sei denn, es ist aus städtebaulicher Sicht zur Umsetzung kommunaler Planungen erforderlich.
Uta Rose: Eine konkrete Lösung für die Verzinkerei ist für den Moment zu weit gegriffen.
Zunächst gilt es, mit allen Beteiligten die Gespräche neu aufzunehmen und gemeinsam nach Alternativen zu suchen.
Ich habe Ideen für eine Umgestaltung des Geländes, möchte aber ohne detailliertere Kenntnis der aktuellen Verhandlungslage keine Aussagen diesbezüglich treffen. Denn Fakt ist, dass wir am Einverständnis des Eigentümers nicht vorbei kommen. Der Grund für den Kauf von Marienhude war für viele Bürger nicht nachvollziehbar, Hier wäre eine deutlichere Erklärung nötig gewesen.
Wenn der Weiterverkauf des Gebäudes und damit der Ausgleich des Haushaltes in diesem Jahr wie geplant erfolgen kann, hat es die Gemeinde in der Hand, zur langfristigen Sicherung eines historischen Gebäudes beizutragen.
Dies sollte aber tatsächlich möglichst zeitnah erfolgen, bevor eine Sanierung noch aufwendiger wird.
Frank Müller: Die Gemeinde hat es versäumt, die Verzinkerei zu erwerben. Die Kommunikation zwischen dem Eigentümer und der Gemeindespitze ist so gestört, dass es keine Gesprächsgrundlage mehr gibt. Unter der Prämisse, dass der Ortskern zwar geschützt werden muss, kann Hude dem Eigentümer keine Investitionsmaßnahmen strikt „aufdiktieren“. Denn der Eigentümer allein trägt für die finanzielle Investition das unternehmerische Risiko. Bei einer Fehlinvestition hilft niemand in Form von finanzieller Unterstützung. Meine Absicht ist es, zusammen mit Rat, Gewerbe und Verkehrsverein, Verwaltung sowie dem Eigentümer nach Kompromissen zu suchen. Ich möchte die Kommunikation wieder herstellen, mich auf dem Weg nach Bayern begeben, um zu versuchen das „zerschlagene Porzellan“ zu reparieren. Der Kauf von Marienhude bei 3,3 Mio. Schulden über die Köpfe der Bürger hinweg, ist nicht nachvollziehbar!
Das Gebäude steht ohnehin unter Denkmalschutz, die Bauleitplanung lässt keine Veränderung des Grundstücks zu. Ein Gutachten der Diakonie ergab einen Wert von 654 000 Euro€. Die Gemeinde kauft trotzdem das Objekt zu einem überhöhten Preis von 800 000 € Euro ohne jegliches Nutzungskonzept.
