Holle - Burkhard Christoph von Münnich, ein Oldenburger, dessen Vorfahren aus dem Stedinger Land stammen, hat Weltgeschichte geschrieben. Mit der Enthüllung des Reliefs im Eingang in der St.-Dionysius-Kirche in Holle wurde am Sonnabend eine symbolische Brücke nach St. Petersburg geschlagen.

Während er in Russland noch heute sehr bekannt ist, redet in seiner Heimat kaum noch jemand über den Ruhm und die Erfolge des Mannes. Mit der Anfertigung des Reliefs, das der Bildhauer Claus Korch (Berlin) entwarf, wurde nun ein Stück Geschichte in das Oldenburger Land zurückgeholt. Hudes stellvertretender Bürgermeister Peter Zwiener sprach von einem symbolischen Akt. Zumindest im Andenken ist der Graf zu Hause angelangt. Denn das ist ihm durch seine damalige Deportation nach Sibirien bis zu seinem Tod versagt geblieben.

In Jugendjahren kämpfte er an der Seite Prinz Eugens im Spanischen Erbfolgekrieg. Später war er in Karlshafen beim Bau des Diemelkanals beteiligt und im Jahre 1717 diente er dem polnischen König August dem Starken. Vier Jahre später, nämlich 1721, begann mit seinem Wechsel zum Herrscher Peter dem Großen in Petersburg seine unglaublich steile Karriere im Dienste der russischen Kaiserinnen und Kaiser. Dort wurde von Münnich kommandierender Generalfeldmarschall aller russischer Armeen und Jahre später sogar Premierminister.

Dem aus dem Oldenburger Land stammende Mann eilte zu Lebzeiten der Ruf voraus, hoch gebildet und überall gefragt zu sein. Er beherrschte mehrere Sprachen und korrespondierte unter anderem mit dem Preußenkönig Friedrich II.

Dr. med. Ulrich Wilke ist der Geschichte von Münnichs intensiv nachgegangen. Er sorgte letztlich dafür, dass der Name Christoph von Münnich auch im Oldenburger Land wieder mehr ins Gedächtnis rückt. Sichtbares Zeichen dafür ist der renovierte Eingangsbereich der St.-Dionysius-Kirche, in dem das Relief nun einen Ehrenplatz bekommen hat.

„Wie kann es sein, dass ein Sohn unseres Oldenburger Landes, der in der Welt Geschichte geschrieben hat, in Russland hoch geachtet und bei uns nahezu unbeachtet ist,“ stellte der stellvertretende Bürgermeister Peter Zwiener die Frage. Er dankte Ulrich Wilke für dessen beherztes Engagement, dem Adeligen einen gebührenden Platz zu geben. Er dankte aber auch dem Förderverein Wüsting, der durch seine finanzielle Unterstützung es ermöglichte, das Relief zu erwerben.

Pastor Udo Dreyer erinnerte daran, dass Christoph von Münnich zu Lebzeiten ein Mensch war, der immer ein Ohr für seine Mitmenschen hatte und sehr gläubig gewesen war. Von seinem Wohlstand habe er gerne etwas abgegeben. Sogar die Elsflether Kirche konnte von seiner Großzügigkeit schon profitieren. Von Münnich hatte einen außerordentlich ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Selbst als er 20 Jahre seines Lebens in Sibirien verbringen musste, organisierte er dort ein Gemeindeleben und führte sogar Andachten durch.