Hude - In zwei Huder Kindergärten spielen und lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Damit das funktioniert, brauchen die Einrichtungen Fachpersonal. Doch in der Gemeinde Hude werden immer weniger Anträge auf Kostenanerkennung gestellt und bewilligt – genau die dienen aber als Maßstab für die Einrichtung von Integrationsgruppen und der Einstellung von Heilpädagogen.

„Es gibt eine Tendenz, nach der die Anträge zurückgehen“, sagt Uwe Schubert, zuständiger Fachdienstleiter der Gemeinde. „Hier besteht offensichtlich Handlungsbedarf.“ Anders als in der Schule, wo Inklusion rechtlich vorgeschrieben ist, müssen Eltern im Kindergarten die Förderung beantragen. „Im Kindergarten gibt es noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen“, sagt Schubert.

Stellt das Kreisgesundheitsamt einen Förderbedarf fest, gibt es Kostenanerkennung – und für den Kindergarten ausgebildetes Personal. Kostenträger sind das Bundesland für Kinder mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung sowie der Landkreis für Maßnahmen der Erziehungshilfe.

Eine Integrationsgruppe umfasst zwei bis vier Kinder mit Förderbedarf und zusätzlich zehn bis zwölf ohne. Betreut wird sie von zwei Erziehern oder Erzieherinnen und einem Heilpädagogen beziehungsweise einer Heilpädagogin. In einer Regelgruppe sind es 25 Kinder, betreut von zwei Personen. Ein Kind mit Förderbedarf rechtfertigt nur eine extra Stelle mit begrenzter Stundenzahl.

Obwohl vom Landkreis prognostiziert worden ist, dass es in der Gemeinde Hude in den kommenden Jahren stetig fünf Integrationsgruppen geben müsste, sind es derzeit nur drei – eine am katholischen Kindergarten St. Marien und zwei im evangelischen Kindergarten „Regenbogeninsel“.

2012 seien laut Schubert im gesamten Landkreis noch 184 Anträge gestellt worden, 128 wurden bewilligt. 2013 seien nur noch 125 Anträge beim Landkreis eingegangen, 95 bekamen eine Kostenanerkennung. „Das kann viele Gründe haben“, sagt Schubert. Die Möglichkeit, dass es tatsächlich weniger Kinder mit Förderbedarf gibt, ist angesichts gleich hoher Bevölkerungszahlen allerdings unwahrscheinlich.

„Wir haben genügend Kinder, die einen Förderbedarf haben“, sagte Gisela Behrends vom Kindergarten St. Marien in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport und Soziales am Montagabend. Trotzdem stellten einige Eltern keinen Antrag, „weil sie es nicht wollen“.

Viele Eltern seien auch verunsichert, sagte Anke Jacobs, Leiterin der „Regenbogeninsel, ob ihr Kind in einer Sondereinrichtung besser aufgehoben sei. Einige verließen sich aber auch auf die Inklusion in der Schule, vermutete Michael Grashorn (Grüne) bei der Sitzung.

Laut Schubert wartet die Gemeinde auf ein Konzept, das beim Kreisjugendamt in Arbeit ist. „Wir brauchen eine Lösung, die den Kindern gerecht wird“, sagt er. Er sei überzeugt, dass diese gefunden wird. Einen ersten Schritt ging der Ausschuss am Montag, als er die Fortschreibung des Regionalkonzeptes für integrative Kindertagesstättenarbeit bewilligte. „Das jetzige Modell wird den Kindern gerecht“, sagt Schubert.