In der Fleischindustrie soll bald ein Mindestlohn von 7,75 Euro gelten, der bis Ende 2016 schrittweise auf 8,75 Euro steigen soll. Glauben Sie, dass es damit endlich ruhiger wird in der Branche?

WesjohannIch hoffe es, denn wir haben viel dafür getan. Allen voran mein Vater hat sich stark für tarifvertragliche Regelungen, die für die gesamte Branche gelten. Das war uns wichtig aus Wettbewerbsgründen. Aber ob es nun ruhiger wird, hängt nicht allein von uns ab.

Als die „Beratungsstelle für mobil Beschäftigte“ der Landesregierung und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten unlängst vor Ihrer Tochterfirma Geestland ausländische Werkvertragsarbeitnehmer über den Mindestlohn informieren wollten, rief der Sicherheitsdienst die Polizei. Sollen nicht alle Arbeiter wissen, dass es einen Mindestlohn gibt?

WesjohannVom Mindestlohn dürfen alle wissen. Die Werkvertragsarbeitnehmer werden zu dem angegebenen Stichtag nach den Kriterien im Tarifvertrag bezahlt, definitiv. Und sollten wir herausfinden, dass ein Arbeitgeber das nicht macht, dann wird er ein Problem bekommen.

Können Sie Instrumentarien entwickeln, dass das Geld auch tatsächlich bei den ausländischen Werkvertragsarbeitern ankommt?

WesjohannWir werden versuchen, darauf hinzuwirken, dass die Werkvertragsbeschäftigten dann möglichst bei deutschen Arbeitgebern angestellt sind.

Sie könnten das Problem auch einfacher lösen: Sie bräuchten die Leute nur selbst festanstellen . . .

WesjohannEs wird oft unterschlagen, dass der weitaus größte Teil unserer Belegschaft längst unter Tarifvertrag steht und schon jetzt wesentlich höhere Löhne erhält. Das ist ja auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Man kann immer viel verlangen, und am Ende des Tages heißt es dann: Patient tot. Es hilft den festen Mitarbeitern nicht und den Werkvertragsarbeitnehmern nicht, wenn dann der Job weg ist.

Peter Wesjohann, 44 Jahre alt, leitet die PHW-Gruppe in Rechterfeld (Kreis Vechta). Bekannteste Marke des Familienunternehmens mit Milliarden-Umsatz ist „Wiesenhof“. PHW beschäftigt mehr als 5000 Mitarbeiter. Rund 20 Prozent davon sind auf Werkvertragsbasis angestellt.