Ihr aktuelles Programm heißt „Ich weiß es doch auch nicht“. Darf ich trotzdem ein paar Fragen stellen?
SchmicklerJa, ja, gern.
Ist der Titel eine Absage an die vielen vorschnellen Antworten unserer Zeit?
SchmicklerGenau das ist der Punkt. Aber ich will gar nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Je älter ich werde, desto weniger leicht fällt es mir, Antworten zu den vielen komplexen Themen zu geben. Und oft erwische ich mich dabei, vorschnell aus der Hüfte zu schießen, so dass ich hinterher denke: Hättest du besser mal mehr überlegt. Ich weiß es doch auch nicht, aber ich will es wissen, lautet der komplette Titel. Denn man kann ja die richtigen Fragen stellen.
Sie beschreiben Ihren Zustand gern als Burnover. Dabei reden derzeit doch alle über Burnout.
SchmicklerMit dem Wortspiel will ich zum Ausdruck bringen, dass es mir manchmal zu viel wird. Als Kabarettist soll ich zu allem und jedem Stellung beziehen, immer klare Kante zeigen. Da platzt mir manchmal der Kopf.
Ist politisches Kabarett für Sie ein Ventil?
SchmicklerDas kann ich so nicht sagen. Es ist meine Arbeit, aber eine sehr selbstbestimmte und privilegierte, weil ich auf der Bühne stehe und die Leute unterhalte. Ich höre oft den Satz: Sie haben ja wieder auf der Bühne hyperventiliert, da können Sie doch mal richtig Druck ablassen. Aber so ist es nicht.
Auch nicht bei den rasend schnellen Schlussmonologen in der Fernsehsendung „Mitternachtsspitzen“? Woher kommt der lange Atem?
SchmicklerAls Raucher muss ich da schon auf meine Kondition achten. Doch es sind auch nur sechs Minuten. In der Schlussnummer gebe ich noch mal richtig Gas, denn das ist dort meine Rolle. Das kann ich jedoch nicht im Soloprogramm zwei Stunden lang auf der Bühne machen. Damit würde ich ja mein Publikum abschrecken.
Sie haben mal gesagt, Kabarett muss auch mal fünf Minuten ohne Pointe auskommen. Wird der schnelle Lacher überbewertet?
SchmicklerIch bevorzuge eine Mischkultur. Mal muss man einen blöden Witz reißen, mal eine Brachial-Pointe setzen, mal ernste Themen ansprechen. Die Leute kommen doch zu mir, um unterhalten zu werden. Da habe ich die Verpflichtung, ihnen einen schönen Abend zu bereiten mit allen Formen des satirischen Ausdrucks.
Wo liegt für Sie die Schmerzgrenze?
SchmicklerDort, wo die persönliche Integrität anfängt. Menschen auf der Bühne zu verletzen, muss nicht sein. Zwar muss man auch mal einen raushauen, aber die Würde des Menschen ist unantastbar.
Aber politisch korrekt kann es im Kabarett doch auch nicht zugehen.
SchmicklerDas ist eine Frage der Definition. Nicht rassistisch und nicht fremdenfeindlich zu sein, ist politisch korrekt und daher völlig richtig. Aber wenn zum Beispiel Kinderbücher umgeschrieben werden oder in den Niederlanden über die Abschaffung des „Zwarten Piet“ diskutiert wird, wird diese Korrektheit dogmatisch.
Die Oldenburger Kabarett-Tage im Jahr 2014 stehen unter dem Motto „Aufgemerkelt“. Was erwarten Sie eigentlich von der Neuauflage der Großen Koalition?
SchmicklerIch habe anders gewählt und erwarte vier Jahre ziemliche Langeweile, Konsenssoße und Flickschusterei. Und die großen Probleme werden aufgeschoben.
Wie kann das Kabarett gegensteuern?
SchmicklerMeine Kollegen und ich sind nur eine ganz kleine Nummer im großen Konzert der Meinungsbildung. Aber daraus versuchen wir, das Beste zu machen.
