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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Ärztemangel auf den Dörfern wird sich eher verschärfen

04.09.2018
Frage: Herr Barjenbruch, die SPD ist für, die CDU gegen eine Landarztquote in Niedersachsen. Ähnlich verhält es sich bei der Ärztekammer Niedersachsen, die dagegen ist, und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, die sich für eine solche Quote ausspricht. Warum ergibt die Landarztquote aus Ihrer Sicht Sinn?
Barjenbruch: In Niedersachsen haben wir heute schon einen Bedarf von 365 Hausärzten. In den Ballungszentren ist die Versorgung gut, auf den Dörfern herrscht Mangel. Das ist das Problem bei der ärztlichen Versorgung, und es wird sich tendenziell eher verschärfen. Bis zum Jahr 2030 werden rund 1000 Ärzte ihre Praxis aufgeben. Dagegen kann die Landarztquote ein Baustein unter vielen sein. Die Idee, die dahinter steckt: Medizin-Studienplätze für Kandidaten frei halten, die sich bereiterklären, später für eine bestimmte Frist auf dem Land als Hausarzt zu arbeiten. Das Land sollte bis zu zehn Prozent der Studienplätze an Bewerber vergeben, die sich zu einer späteren Niederlassung als Hausarzt in einem unterversorgten ländlichen Raum verpflichten. Eine Landarztquote macht aber nur dann Sinn, wenn die Studienplätze für Medizin an den niedersächsischen Hochschulen aufgestockt werden.
Frage: Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hat aber verfassungsrechtliche Bedenken…
Barjenbruch: In einem noch von Bundesgesundheitsminister Philipp Rößler in Auftrag gegebenen Gutachten kommen Rechtswissenschaftler zu dem Schluss, dass sich die Landarztquote durchaus verfassungskonform und berufsrechtlich sauber ausgestalten ließe. Schon jetzt biete das Hochschulrecht zum Beispiel bei der Verpflichtung auf einen späteren Einsatz bei der Bundeswehr oder im öffentlichen Gesundheitsdienst die Möglichkeit eines privilegierten Zugangs zum Medizinstudium. Diese Praxis sollte auf künftige Ärzte in unterversorgten Regionen erweitert werden. Die Verpflichtungserklärung, später auf dem Land zu arbeiten, darf allerdings kein Tauschgeschäft für unzureichende fachliche Eignung sein. Verfassungskonform ist die Landarztquote nur, wenn die bevorzugten Studenten später tatsächlich in unterversorgten Regionen arbeiten. Wer sein Versprechen bricht, muss also sanktioniert werden.
Frage: Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Martina Wenker, spricht sogar von einem „schweren Eingriff in die Berufsfreiheit“.
Barjenbruch: Viele junge Menschen würden gern auf dem Land als Ärztin oder Arzt arbeiten, bekommen aber keinen Studienplatz, da hier Bewerber mit einem extrem guten Abitur bevorzugt werden. Dies sind aber nicht unbedingt die besten Ärztinnen oder Ärzte und schon gar nicht die besten Landärzte.
Frage: Die Landarztquote ist der eine Versuch, um die ärztliche Versorgung auf dem Land langfristig sicherzustellen. Welche Maßnahmen schlagen Sie noch vor?
Barjenbruch: Neben unserer finanziellen Förderung aus dem Strukturfonds gibt es zahlreiche weitere Maßnahmen. Für die Niederlassungsentscheidung sind folgende Faktoren wichtig: Findet der Partner einen adäquaten Arbeitsplatz? Wie sieht das Angebot von Kindergärten und Schulen aus? Wie häufig hat die Ärztin oder der Arzt Bereitschaftsdienst am Abend oder am Wochenende? Wie ist der öffentliche Nahverkehr aufgestellt? Kann ich mit anderen Ärztinnen und Ärzten in der Region gut kooperieren? Diese Faktoren sind oft wichtiger als finanzielle Anreize. Für die Patienten ist es wichtig: Komme ich mit dem öffentlichen Personennahverkehr problemlos zur nächsten Praxis hin und zurück?
Lars Laue
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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