• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Air Berlin ist nicht an zu teuren Piloten gescheitert

14.09.2017
Frage: Auch am Mittwoch nach der Krankmeldungswelle hat es wieder Flugausfälle bei Air Berlin gegeben. Ist das nicht unsolidarisch gegenüber Kollegen und Kunden?
Wahl: Am Mittwoch hat es bei Air Berlin wieder eine absolut übliche Krankheitsquote von rund zehn Prozent gegeben. Wir haben nicht zu den Krankmeldungen am Dienstag aufgerufen. Aber wenn die Kollegen jeden Tag etwas Neues über ihre Zukunft in der Zeitung lesen und vom Management das Signal kommt, dass ihm das Schicksal der Belegschaft relativ egal ist und die Interessen der Investoren absolut vorgehen, kann ich Wut und Verzweiflung verstehen.
Frage: War das Scheitern der Sozialplan-Verhandlungen der Grund für den Quasi-Streik Ihrer Kollegen?
Wahl: Der Zusammenhang liegt nahe. Die Verhandlungen sind am Montag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Jetzt hören wir vom Air-Berlin-Management, dass in der kommenden Woche nun doch über den Sozialplan weiter verhandelt werden soll. Das ist zumindest eine erfreuliche Nachricht.
Frage: Was sind für Cockpit Rote Linien in den Verhandlungen über den Sozialplan?
Wahl: Wir sprechen mit Air Berlin darüber, in welcher Reihenfolge die Piloten an mögliche Käufer abgegeben werden sollen. Da gibt es eine Menge zu beachten: zum einen, welche Flugzeuge sie fliegen, zum anderem die Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit oder soziale Faktoren. Aus unserer Sicht darf Air Berlin nicht zulassen, dass sich die Piloten wieder neu bewerben müssen. In diesem Fall könnten sich die künftigen Arbeitgeber nämlich die Kollegen aussuchen, die sie nicht für Querulanten oder überbezahlt halten.
Frage: Am Freitag endet die Bieterfrist. Was für eine Lösung wünschen die Beschäftigten?
Wahl: Der oberste Wunsch ist, dass deutsche Arbeitsplätze vernünftig bezahlt bleiben. Air Berlin ist nicht daran gescheitert, dass die Piloten zu teuer gewesen wären. Wenn der Staat mit Steuergeld in die Bresche springt, müssen die Jobs unter deutschem Dach bleiben. Alles andere muss am Verhandlungstisch geklärt werden.
Frage: Ist ein Aus für Air Berlin nach den Flugausfällen wahrscheinlicher geworden?
Wahl: Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen. Ja, es hat Krankmeldungen oberhalb des Normalmaßes gegeben. Nein, allein deshalb muss eine Airline in Insolvenz nicht gleich am Boden bleiben.

Weitere Nachrichten:

Air Berlin