Sie haben die Talkshow „Maischberger“ nach einem Schlagabtausch mit Jutta Ditfurth verlassen. Hatte Sandra Maischberger die Kontrolle über die Sendung verloren?
BosbachIch mache Frau Maischberger überhaupt keinen Vorwurf. Sie hat sich redlich darum bemüht, Frau Ditfurth zu disziplinieren, leider vergeblich. Ich habe schon einen Herzschrittmacher und möchte keinen zweiten.
Ist Jutta Ditfurth eine Ausnahme, oder wird linksextreme Gewalt generell verharmlost?
BosbachLinksextreme Gewalt wird nicht generell, aber von vielen, zu vielen relativiert oder gar marginalisiert. Frau Ditfurth gehört dazu.
Wird die Polizei zum Prügelknaben?
BosbachWir registrieren seit Jahren eine stetig steigende Zahl von Angriffen auf die Polizei, aber auch auf Rettungskräfte und sogar Sanitäter. Deshalb haben wir ja auch vor Kurzem das Strafrecht verschärft, um strafrechtlich entsprechend reagieren zu können.
In Hamburg war von Staatsversagen die Rede. Läuft grundsätzlich etwas falsch bei der Inneren Sicherheit?
BosbachDie Verantwortung für die Gewaltexzesse in Hamburg trägt nicht die Polizei! Verantwortlich waren der Schwarze Block und die vielen Kriminellen, die mit hemmungsloser Brutalität agiert haben. Das Ergebnis: massiver Sachschaden, Plünderungen, 500 verletzte Einsatzkräfte. Für sie hat es jetzt ein Konzert gegeben. Folgt man der Argumentation von Frau Ditfurth, wonach die Gewalt nur von der Polizei ausging, müsste es eigentlich ein Konzert für den Schwarzen Block geben.
Welche Konsequenzen müssen nach den Ausschreitungen von Hamburg gezogen werden?
BosbachWichtig wären ein parteiübergreifender Konsens, gegen jede Form von politisch motivierter Gewalt entschlossen vorzugehen, keine Duldung von rechtsfreien Räumen und nicht der Polizei in den Rücken fallen – ihr den Rücken stärken.
Es gab bereits im Frühjahr Warnungen vor Gewalt mit Blick auf den G20-Gipfel in Hamburg. Haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Gefahr unterschätzt?
BosbachNein. Das massive Polizeiaufgebot hat ja gezeigt, dass sich alle Verantwortlichen der drohenden Gefahren bewusst waren.
