Herr Dr. Dyck, Sie hatten am Freitag einen Prominenten Besucher im Forschungsinstitut „Next Energy“: Maros Sefcovic, stellvertretender Präsident der EU-Kommission, hat sich vor Ort über Ihre Arbeit informiert. Was will Brüssel von Oldenburg lernen?

DyckHerr Sefcovic hat sich angeschaut, wie EU-Gelder in Oldenburg wirken.

Wie wirken sie denn?

DyckDie EU ist Geldgeber für verschiedene Forschungsprojekte bei „Next Energy“, die dann auch zu Produkten oder Dienstleistungen im Bereich der Erneuerbaren Energien führen sollen. Ein Beispiel aus der Brennstoffzellenforschung: Die EU finanziert acht Forscher-Stellen beim Projekt „Eureca“. Dabei geht es um eine ressourcenschonende und effizientere Nutzung bei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die Mehrfamilienanlagen mit Strom und Wärme versorgen können.

Der EU-Kommissar beschäftigt sich täglich mit Energiefragen. Konnten Sie ihn trotzdem überraschen und ihm Dinge präsentieren, die er noch nicht kannte?

DyckUm bei dem „Eureca“-Beispiel zu bleiben: Die Anlage, die wir ihm gezeigt haben, konnte er nicht kennen, die ist nämlich einmalig. Ebenso wie das Solarfenster, dessen Glas, das man als Fassadenbaustein ja sowieso braucht, gleichzeitig zur Energiesammlung verwendet werden kann. Herr Sefcovic hat sich wohlwollend geäußert.

Umgekehrt gefragt: Was haben Sie von diesem Besuch, was erhofft sich Oldenburg nun von Brüssel? Noch mehr Geld von der EU?

DyckDer EU-Kommissar wird nicht persönlich über einen Förderbescheid von „Next Energy“ entscheiden.

Aber er stellt schon die Weichen . . .

Dyck. . . natürlich. Für uns bietet so ein Besuch die Chance, Werbung für die Fragestellungen zu machen, die wir bearbeiteten. Herr Sefcovic soll ja die europäische Energieunion gestalten, und wir geben Anregungen, wie die Energieunion mit Erneuerbaren Energien zu gestalten sein könnte. Knapp 6 Milliarden Euro aus dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizont 2020“ fließen in den Energiebereich – und wir wollen deutlich machen, dass man im Energiebereich am Standort Oldenburg nicht vorbeigehen kann.

Dr. Alexander Dyck (44) leitet den Forschungsbereich Brennstoffzellen bei „Next Energy“, dem EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie. „Next Energy“ ist ein gemeinnütziges An-Institut der Universität Oldenburg