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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Hebammen im Nordwesten dringend gesucht

02.11.2018
Frage: Wie ist die aktuelle Situation für Hebammen?
Schauland: Eine flächendeckende Hebammenversorgung ist seit Längerem in Niedersachsen nicht mehr gegeben. Dabei ist nicht nur der ländliche Bereich betroffen, auch in den Städten finden Schwangere oft keine Hebamme zur ambulanten Betreuung mehr. Die Verweildauer in den Kliniken ist stark reduziert worden, sodass Frauen nach einer normalen Geburt am dritten Tag und nach einem Kaiserschnitt am fünften Tag nach Hause gehen. Die ambulante Wochenbettbetreuung hat daher an Bedeutung noch zugenommen.
Frage: Wird etwas gegen diesen Zustand unternommen?
Schauland: Einige Kommunen in Niedersachsen reagieren und versuchen, den Mangel an Hebammen regional durch Projekte wie die Errichtung einer Hebammenzentrale zu lindern. Die Kapazitäten der Hebammen werden dort bestmöglich genutzt und neue Kolleginnen werden in ihrer Freiberuflichkeit unterstützt. Im Herbst 2015 fand – im Auftrag des Deutschen Hebammenverbandes – eine Umfrage des Picker Instituts zur Arbeitssituation von angestellten Hebammen in Kliniken statt. Dabei ergab sich, dass jede fünfte Klinik die Hebammenplanstellen nicht mehr vollständig besetzen konnte. Viele Kolleginnen machen regelmäßig geplante Überstunden. Aus Schutz vor der Arbeitsüberlastung arbeiten nur 20 Prozent der Kolleginnen in Vollzeit.
Frage: Was sind bislang die Voraussetzungen, um Hebamme zu werden?
Schauland: Bisher ist die Ausbildung eine dreijährige Berufsfachschule mit 1600 Theoriestunden und 3000 Praxisstunden. Der Realschulabschluss und das Erreichen der Volljährigkeit im ersten Halbjahr, bevor die Auszubildende dann im Kreißsaal eingesetzt werden darf, sind die Voraussetzungen. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Akademisierung des Hebammenberufes ist eine zwölfjährige Schulbildung notwendig. Die Vermittlung genauer wissenschaftlicher Kenntnisse und andere Formulierungen in der Richtlinie bedeuten ein Studium.
Frage: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert jetzt ein duales Studium für Hebammen, um die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen – was sagen Sie dazu?
Schauland: Die Anforderungen sind kontinuierlich gestiegen, die konsequente Umsetzung der Ausbildungsform ist daher dringend notwendig. Letztendlich waren es fast immer schon Abiturientinnen, die den Beruf erlernt haben. Es ist ein verantwortungsreicher Beruf, der eine fundierte Ausbildung braucht.
Frage: War die Ausbildung der Hebammen bisher nicht gut genug?
Schauland: Ich habe von 1986 bis 1989 den Beruf erlernt. Überwiegend wurde ich für die Klinik ausgebildet. Nach kurzer Zeit habe ich zusätzlich zu meinem Angestelltenverhältnis freiberuflich zu arbeiten begonnen und musste zunächst Fortbildungen zur Betreuung des späten Wochenbettes machen. Das hat sich, wie meine jüngeren Kolleginnen berichten, bis heute nicht geändert. Meine Arbeitsweise durch wissenschaftliche Kenntnisse belegen zu können, finde ich erstrebenswert.
Frage: Wie sieht es generell mit Nachwuchs aus?
Schauland: Interessierte für den Beruf gibt es. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen könnte dazu führen, dass die Kolleginnen länger im Beruf verbleiben.
Frage: Könnte das duale Studium auch zu mehr Wertschätzung führen und dadurch mehr Nachwuchs gewonnen werden?
Schauland: Davon gehe ich aus, dass durch ein duales Studium erhöhte theoretische und praktische Kenntnisse das Arbeiten auf Augenhöhe etabliert. Auf Berufsschulbörsen habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass die Abiturienten eher ein Studium vorziehen. Insofern wird der Beruf der Hebamme auch für sie attraktiver.
Frage: Könnte durch das Studium auch auf eine höhere Bezahlung gedrängt werden?
Schauland: Eine höhere Bezahlung ist für mich eine logische Konsequenz, die die Rahmenbedingungen für den Beruf verbessert. Die Versicherungsprämie für außerklinische Geburtshilfe und für Beleggeburten hat mit dem Sicherstellungszuschlag eine Übergangslösung gefunden. Langfristig ist eine andere Form der Klärung notwendig, da der Spagat des Finanzierbaren für die Kolleginnen wieder größer wird. Die Gebührenordnung, die mit dem GKV verhandelt wird, sollte dem erhöhten Ausbildungsniveau angepasst werden.
Frage: Wie schnell wäre die Umstellung auf das duale Studium umsetzbar? Aktuell gibt es im Nordwesten ja nur eine Hebammenschule in Oldenburg…
Schauland: Mit der Möglichkeit, seit 2009 einen Modellstudiengang einrichten zu können, sollte die Umsetzung rasch erfolgen können. Die Anzahl der Abschlüsse (2017: 60) ist deutlich unter allen Bedarfen. Für Niedersachsen muss mit mindestens 160 dualen Studienabschlüssen pro Jahr, an mindestens vier Studienorten gerechnet werden. In Osnabrück gibt es bisher nur einen aufsattelnden Studiengang mit 37 Plätzen, der bundesweit kooperiert.
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Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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