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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Arbeitslosigkeit ist für die meisten das größte Unglück

22.02.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-02-22T05:09:13Z 280 158

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Arbeitslosigkeit ist für die meisten das größte Unglück

Das Thema: Agenda 2010

Im Interview: Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser

Zur Person: Peter Bofinger (62) ist Teil des Sachverständigenrats der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Frage: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will die Agenda 2010 korrigieren – und erntet für die Pläne harsche Kritik. Sehen Sie Änderungsbedarf?

Bofinger: Das größte Problem ist doch, dass diejenigen, die arbeitslos werden, sehr schnell ins Arbeitslosengeld II abstürzen. Bei Älteren kann das schon nach 15 Monaten der Fall sein. Dann greift Hartz IV, das Vermögen wird angetastet. Letztlich wird man so behandelt, als hätte man sein ganzes Leben nie gearbeitet und sich keinerlei Qualifikation angeeignet. Das ist nicht gerecht. Viele Menschen sehen die Aussicht auf Hartz IV und das Arbeitslosengeld II als eine große Bedrohung.

Frage: Was schlagen Sie vor?

Bofinger: Ich wäre für eine Art Schadensfreiheitsrabatt in der Arbeitslosenversicherung. Man könnte den Anspruch auf Arbeitslosengeld I abhängig davon verlängern, wie viele Beitragsjahre der Versicherte hat. Wer 30 Jahre lang gearbeitet hat und noch nie arbeitslos war, könnte dann länger Arbeitslosengeld I beziehen.

Frage: Arbeitgeber warnen: Eine längere Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld I könnte die Bereitschaft verringern, schnell in Arbeit zurückzukehren. Was entgegnen Sie?

Bofinger: Man weiß aus Studien, dass diese Annahme so nicht zutrifft. Arbeitslosigkeit ist für die meisten das größte Unglück. Sie wollen möglichst schnell wieder in Beschäftigung zurück. Martin Schulz hat in einem Punkt Recht: Die Globalisierung darf nicht dazu führen, dass Sicherheit auf der Strecke bleibt. Das Risiko, über Hartz IV ins Bodenlose zu stürzen, empfinden viele Menschen als große Belastung.

Frage: Wird mit einer Verlängerung des Arbeitslosengeld-I-Anspruchs nicht alles über den Haufen geschmissen, was die Agenda 2010 ausgemacht hat?

Bofinger: Nein, das denke ich nicht. Die meisten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Einführung von Hartz IV allein nicht zu einem sonderlich großen Beschäftigungseffekt geführt hat. Positiv wirkt sich vor allem aus, dass die Jobvermittlung sehr viel besser geworden ist. Die Bilanz von Arbeitsagenturen und Jobcenter kann sich sehen lassen. Günstig für den Arbeitsmarkt und seine Entwicklung war auch die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre.

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