Erst Barcelona, dann Cambrils – hinter den Anschlägen in Spanien soll eine Terrorzelle stecken. Haben wir es mit weiteren Taten des Islamischen Staates zu tun?

NeumannDiese Anschläge passen ins Muster des IS-Terrors. Es gab auch ein Bekennerschreiben des Islamischen Staates. Noch sind die genauen Hintergründe nicht klar, wissen wir nicht, ob die Attentate nur vom IS inspiriert oder womöglich von der Terrormiliz organisiert waren. Ganz sicher waren die Taten dschihadistisch motiviert. Welche Verbindungen es zum Islamischen Staat gibt, werden die Ermittlungen zeigen.

Die Anschläge mit Autos und Lastwagen häufen sich. Ist das eine neue gezielte IS-Strategie?

NeumannDer Islamische Staat hat seit 2014 zu Anschlägen mit Fahrzeugen aufgerufen. Daraus hat sich dann eine Serie entwickelt. Ende 2014 hatte es zunächst zwei versuchte Anschläge mit Autos auf Weihnachtsmärkte in Frankreich gegeben. Dann gab es 2016 den Anschlag mit einem Lkw in Nizza. Das war aus dschihadistischer Sicht ein Erfolg, weil es dort einem einzelnen Attentäter mit einfachen Mittel gelungen war, 86 Menschen zu töten. Das hat zur Nachahmung geführt und sich zum Modus Operandi von dschihadistischen Terroristen entwickelt. Noch ist nicht klar, was in Spanien womöglich noch darüber hinaus geplant war. Es ist nicht auszuschließen, dass es weitere Anschläge geben sollte.

Einige Attentäter sollen Sprengstoffgürtel-Attrappen getragen haben. Welches Kalkül steckt dahinter?

NeumannDas haben wir bereits bei dem Anschlag auf der London Bridge und beim Attentat zum ersten Jahrestag von Charlie Hebdo in Frankreich gesehen. Damit wollen die Attentäter Menschen auf Distanz halten. Die Sprengstoffattrappe soll verhindern, dass sie angegriffen und gestoppt werden. Diese Attrappen zeigen aber möglicherweise auch, dass die Terroristen nicht besonders gut ausgebildet sind, sonst wären sie in der Lage, tatsächliche Sprengsätze zu bauen und einzusetzen.

Barcelona ist eine beliebte Touristenmetropole. Soll hier bewusst Angst bei Urlaubern geschürt werden?

NeumannDie Ramblas in Barcelona sind natürlich ein attraktives Ziel. Ein Anschlag dort sorgt für große weltweite Aufmerksamkeit. Da haben viele Menschen das Gefühl, dass es auch sie hätte treffen können. Wir haben bereits überall in Europa Terroranschläge erlebt. Der Islamische Staat attackiert alle Länder, die in der Allianz gegen ihn in Syrien und im Irak kämpfen und die er als Feinde ansieht. Seit 2014 verübt der IS immer wieder Terroranschläge in europäischen Metropolen. Inzwischen fordert er seine Anhänger verstärkt auf, in Europa zu bleiben und dort Attentate zu verüben.

Müssen wir mit weiteren Attentaten rechnen?

NeumannDie Bedrohung besteht auch in Zukunft in ganz Europa. Auch in Deutschland müssen wir mit weiteren Anschlägen rechnen. Die Terrorgefahr in Deutschland bleibt weiterhin hoch.

Wie groß ist die Gefahr, dass wir uns an den Terror und die Bedrohung gewöhnen?

NeumannWir dürfen uns niemals daran gewöhnen, dass Menschen in die Luft gesprengt oder enthauptet werden. Natürlich lässt wegen der Häufigkeit und Wiederholung von Anschlägen, die Aufmerksamkeit nach. Das ist auf der einen Seite positiv, weil Terroristen von der Aufmerksamkeit leben. Auf der anderen Seite wird es auch zum Problem. Wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nachlässt, wird der Islamische Staat reagieren.