In Ihrem Vortrag am Oberlandesgericht geht es um die Vorsorgevollmacht. Warum sollten sich gesunde Menschen mit diesem Thema befassen?

PieperEs geht um Vorsorge für den Fall, dass man selber nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen für sich zu treffen. Viele denken, dass das nur ältere Menschen betrifft, aber auch junge Menschen können – durch Unfälle oder ähnliches – temporär in diese Situation kommen. Deswegen ist es wichtig, dass Menschen des eigenen Vertrauens bestimmte Vollmachten bekommen.

Geht es dabei in erster Linie um Patientenverfügungen?

PieperJa unter anderem, aber es betrifft auch andere Bereiche, bis zu einer Generalvollmacht in geschäftlichen wie auch gesundheitlichen Fragen.

Was passiert, wenn ich keine solche Regelung getroffen habe?

PieperAngenommen, ich falle ins Koma. Dann bestellt das Gericht einen gesetzlichen Betreuer. Oft sind das Personen aus dem Familienumfeld, aber wenn es das beispielsweise nicht gibt, bekommt ein wildfremder Mensch vielleicht diese Vollmacht. Dieses Szenario ist vor allem im Demenzfall relevant.

Denken Ihrer Erfahrung nach zu wenig junge Menschen darüber nach, solche Vorsorge zu treffen?

PieperIch glaube, dass viele darüber nachdenken. Es ist wie bei Testamenten, man sagt: eigentlich müssten wir das mal machen, aber es betrifft mich ja noch nicht. Die Einsicht ist bei den meisten Menschen vorhanden, aber es wird hinausgeschoben. Auch weil viele mit hohen Kosten beim Notar rechnen, dabei bleiben diese wirklich im erträglichen Rahmen.

Braucht man unbedingt einen Notar für eine solche Urkunde?

PieperMan muss nicht zum Notar gehen, das könnte man auch privat machen. Allerdings fehlt dann die Beratung. Es gibt Vordrucke im Internet, die problematisch werden können und nicht immer von Gerichten und Ärzten akzeptiert werden. Die Frage ist dann: War der Betreffende geschäftsfähig und hat er das wirklich gewollt?

Roland Pieper ist Rechtsanwalt in Oldenburg. In der Fortsetzung der Vortragsreihe im Oldenburger Oberlandesgericht spricht er am Mittwoch, 19. September, zum Thema „Vorsorge – Zukunft selbst gestalten“.